Ein Gespräch zwischen Easy, Professor von Mumpitz und Frau Schmidt
Es ist einer dieser Tage zwischen den Jahren.
Nicht richtig Alltag, aber auch kein Feiertag mehr.
Die Lichter stehen noch, obwohl niemand mehr genau weiß, warum.
Easy
(schaut in den Raum, als würde sie etwas sortieren)
„Man sagt ja, dass Feiertage deshalb so anstrengend sind, weil sie voller Wünsche stecken. Nicht nur eigener Wünsche. Sondern auch der von anderen.“
Professor von Mumpitz
„Ein Wunsch-Buffet. Für alle. Und bitte einmal alles. Harmonie, Nähe, Dankbarkeit, Überraschung, Entspannung. Am besten gleichzeitig.“
Frau Schmidt
(leise)
„Und wenn etwas davon nicht klappt, fühlt es sich schnell an, als hätte man versagt. Nicht als Situation. Sondern als Mensch.“
Easy
„Ich habe mal gelesen, dass Erwartungen besonders dann Druck machen, wenn sie unausgesprochen sind. Und an Feiertagen sind fast alle Erwartungen unausgesprochen.“
Professor von Mumpitz
„Natürlich. Man weiß ja, wie Weihnachten zu sein hat. Das wurde jahrzehntelang in Werbung, Filmen und Keksdosen trainiert.“
Frau Schmidt
„Dabei ist das echte Leben selten so ordentlich. Da sind Menschen müde. Oder traurig. Oder einfach nicht in der Stimmung für großes Zusammensein.“
Easy
„Und trotzdem gibt es diesen inneren Satz: Ich müsste doch. Für die anderen. Für den Anlass.“
Professor von Mumpitz
„Feiertage haben einen eingebauten Pflichtmodus. Ganz egal, wie es einem geht.“
(Stille.)
Frau Schmidt
„Ich habe oft das Gefühl, dass viele Menschen an Feiertagen mehr funktionieren als fühlen.“
Easy
„Ja. Und dass sie sich selbst dabei ein Stück verlieren. Nicht absichtlich. Sondern aus dem Wunsch heraus, niemanden zu enttäuschen.“
Professor von Mumpitz
„Enttäuschung ist ohnehin das große Schreckgespenst der Feiertage. Niemand will sie verursachen. Also tun alle so, als wäre alles genau richtig.“
Frau Schmidt
„Und irgendwann ist man erschöpft. Nicht vom Feiern. Sondern vom Aushalten.“
Easy
„Man hört ja oft, dass gerade Menschen, die sehr verantwortungsbewusst sind, besonders unter Feiertagsstress leiden. Weil sie glauben, sie müssten alles zusammenhalten.“
Professor von Mumpitz
„Die emotionale Statik eines ganzen Festes. Keine leichte Aufgabe.“
Frau Schmidt
„Dabei darf doch eigentlich jeder selbst entscheiden, was er geben kann. Oder nicht.“
Easy
„Theoretisch ja. Praktisch kollidiert das mit Bildern. Mit Traditionen. Mit dem Satz: Das haben wir doch immer so gemacht.“
Professor von Mumpitz
„Ein Satz mit erstaunlicher Durchsetzungskraft.“
(Sie lachen leise.)
Easy
„Ein gutes Beispiel dafür ist das Schenken. Oder das Nicht-Schenken.“
Professor von Mumpitz
„Ah. Das berühmte: Wir schenken uns dieses Jahr nichts.“
Frau Schmidt
„Ein Satz, der selten allein bleibt.“
Easy
„Ich habe gelesen, dass Absprachen oft gemacht werden, um Druck rauszunehmen. Und dann entsteht paradoxerweise neuer Druck.“
Professor von Mumpitz
„Weil plötzlich alle darüber nachdenken, ob der andere es wirklich ernst meint.“
Frau Schmidt
„Oder ob man selbst herzlos wirkt, wenn man sich an die Absprache hält.“
Easy
„Psychologisch spannend ist dabei, dass Schenken oft weniger mit dem Beschenkten zu tun hat als mit dem Schenkenden.“
Professor von Mumpitz
„Ein Geschenk als Selbstvergewisserung. Ich bin aufmerksam. Ich bin großzügig. Ich habe an dich gedacht.“
Frau Schmidt
„Und vielleicht auch: Ich halte die Verbindung fest.“
Easy
„Genau. Für manche Menschen bedeutet Schenken Nähe. Für andere bedeutet es Pflicht. Und für wieder andere bedeutet es Kontrolle.“
Professor von Mumpitz
„Kontrolle in Geschenkpapier. Sehr festlich.“
Frau Schmidt
„Manche können schlecht aushalten, wenn Dinge offen bleiben. Wenn etwas nicht geregelt ist. Ein Geschenk ist dann wie ein Häkchen.“
Easy
„Und wenn man vorher vereinbart hat, nichts zu schenken, entsteht ein innerer Konflikt. Zwischen Vereinbarung und innerem Bedürfnis.“
Professor von Mumpitz
„Und dann gewinnt oft das Bedürfnis. Auch wenn die Absprache auf der Strecke bleibt.“
Frau Schmidt
„Das kann beim Gegenüber ganz unterschiedliche Gefühle auslösen. Dankbarkeit. Irritation. Schuld. Oder das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.“
Easy
„Genau das macht solche Situationen so kompliziert. Niemand meint es böse. Und trotzdem fühlt es sich für jemanden nicht gut an.“
(Stille.)
Professor von Mumpitz
„Vielleicht ist das das eigentliche Thema der Feiertage. Nicht, was passiert. Sondern was es mit uns macht.“
Frau Schmidt
„Und wie schwer es manchmal ist, zwischen Wunsch und Wirklichkeit freundlich zu bleiben. Zu sich selbst und zu anderen.“
Easy
„Man hört ja oft, man solle die Erwartungen runterschrauben. Aber Erwartungen lassen sich nicht einfach abschalten. Sie sind Teil von Beziehung.“
Professor von Mumpitz
„Man kann sie höchstens bemerken. Und darüber stolpern. Immer wieder.“
Frau Schmidt
„Vielleicht wäre das schon viel. Zu merken, dass man gerade etwas tut, weil man glaubt, es tun zu müssen.“
Easy
„Und sich dann zumindest die Frage zu erlauben: Ist das gerade möglich? Oder überfordert es mich?“
Professor von Mumpitz
„Eine gefährliche Frage. Aber eine ehrliche.“
(Stille. Kein Schluss. Kein Fazit.)
✨ Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
✨ Wenn Erwartungen lauter sind als Bedürfnisse
✨ Und man trotzdem versucht, freundlich zu bleiben