Gemeinsam und doch für sich 🌿

Ein Gespräch zwischen Easy, Professor von Mumpitz und Frau Schmidt

Es ist stiller als sonst.

Nicht leer. Nur leiser.

Die Brodie Bande ist da. Alle. Man hört Schritte, Flügelrauschen, leises Rascheln.

Und trotzdem liegt etwas Ungesagtes im Raum.

Easy

(spricht langsam, als würde sie ein Gefühl sortieren)

„Man hört ja oft, dass Menschen sich heute vernetzt fühlen sollen. Viele Kontakte, viele Chats, viele Termine. Und trotzdem erzählen viele, dass sie sich innerlich allein fühlen. Nicht verlassen. Eher… unberührt.“

Professor von Mumpitz

„Ein interessantes Paradox. Gesellschaftlich bestens versorgt, emotional manchmal unterversorgt.“

Frau Schmidt

„Vielleicht, weil Nähe nicht automatisch entsteht, nur weil Menschen da sind.“

Easy

„Ich habe gelesen, dass Verbundenheit weniger mit Anzahl zu tun hat als mit Resonanz. Ob etwas zurückkommt. Ein Blick. Ein echtes Zuhören. Ein Moment, in dem man merkt: Ich bin gemeint.“

Professor von Mumpitz

„Und wenn dieser Moment ausbleibt, obwohl alle anwesend sind, fühlt sich das besonders seltsam an.“

Frau Schmidt

(leise)

„Dann fragt man sich nicht, wo die anderen sind. Sondern wo man selbst gerade ist.“

(Stille.)

Easy

„Man beobachtet ja oft, dass Gruppen sehr unterschiedlich funktionieren. Manche sind laut. Manche lebendig. Manche liebevoll. Und trotzdem gibt es darin Menschen, die mitlaufen, ohne wirklich Raum einzunehmen.“

Professor von Mumpitz

„Die stillen Mitträger. Immer da. Nie im Mittelpunkt. Ein bisschen wie tragende Balken. Man sieht sie kaum, solange alles hält.“

Frau Schmidt

„Und weil sie nicht wackeln, fragt niemand, ob sie Halt brauchen.“

Easy

„Das ist psychologisch spannend. Menschen, die wenig fordern, werden oft als stabil wahrgenommen. Dabei kann genau das bedeuten, dass ihre Bedürfnisse leiser sind, nicht kleiner.“

Professor von Mumpitz

„Leise Bedürfnisse haben es schwer in lauten Systemen.“

Frau Schmidt

„Und manchmal haben sie es auch schwer in liebevollen Systemen. Nicht, weil niemand sich kümmern will. Sondern weil niemand merkt, dass etwas fehlt.“

Easy

„Man hört oft den Satz: Du bist doch nicht allein.

Aber das beschreibt einen Zustand. Kein Gefühl.“

Professor von Mumpitz

„Ein bisschen wie zu sagen: Du bist doch satt, während jemand eigentlich Durst hat.“

(Frau Schmidt lächelt kurz.)

Frau Schmidt

„Viele Menschen wissen sehr genau, dass sie nicht allein sind. Und fühlen sich trotzdem für sich. Das ist kein Widerspruch. Das ist menschlich.“

Easy

„Und dann gibt es noch etwas anderes, das oft mitschwingt. Verantwortung. Für andere. Für das Miteinander. Für das Funktionieren.“

Professor von Mumpitz

„Ah. Das große Funktionieren. Ein Klassiker.“

Frau Schmidt

„Manche Menschen sind sehr eingebunden. Familie. Gemeinschaft. Aufgaben. Und trotzdem bleibt wenig Raum für eigene Kontakte oder eigene Bedürfnisse.“

Easy

„Man liest, dass Menschen in solchen Rollen oft gar nicht merken, dass sie etwas vermissen. Weil sie so beschäftigt damit sind, da zu sein.“

Professor von Mumpitz

„Da sein ist nicht dasselbe wie gesehen werden.“

(Stille.)

Frau Schmidt

„Und dann gibt es Situationen, in denen jemand Unterstützung braucht. Mehr Ruhe. Mehr Rücksicht. Mehr Nähe vielleicht. Und gleichzeitig ist da die Angst, zur Last zu fallen.“

Easy

„Das ist ein ganz feiner Punkt. Hilfe brauchen heißt nicht automatisch, dass jemand helfen muss. Und trotzdem fühlt es sich für viele so an, als müssten sie sich rechtfertigen.“

Professor von Mumpitz

„Ein inneres Pflichtgefühl auf beiden Seiten. Sehr anstrengend.“

Frau Schmidt

„Manche ziehen sich dann zurück. Nicht, weil sie niemanden wollen. Sondern weil sie niemanden verpflichten möchten.“

Easy

„Man beobachtet oft, dass Menschen ihre Bedürfnisse herunterregeln, um das Gleichgewicht nicht zu stören.“

Professor von Mumpitz

„Ein sehr höflicher Weg, sich selbst ein bisschen zu verlieren.“

Frau Schmidt

„Dabei ist Rückzug nicht immer Abgrenzung. Manchmal ist es Schutz.“

Easy

„Und manchmal ist es einfach der einzige Weg, bei sich zu bleiben.“

(Stille. Man hört irgendwo Ewo mit den Flügeln schlagen. Leben. Bewegung.)

Professor von Mumpitz

„Interessant ist ja, dass man sich auch dann allein fühlen kann, wenn ständig jemand um einen herum ist. Vielleicht sogar gerade dann.“

Easy

„Weil Nähe nicht planbar ist. Sie entsteht nicht durch Anwesenheit. Sondern durch Begegnung.“

Frau Schmidt

„Und Begegnung braucht Mut. Auf beiden Seiten.“

Easy

„Vielleicht ist das der Punkt, den man oft übersieht. Dass Verbundenheit nichts ist, was man herstellen kann. Man kann sie nur zulassen.“

Professor von Mumpitz

„Und manchmal verpasst man sie, obwohl man mitten drin steht.“

Frau Schmidt

„Dann hilft es vielleicht schon, sich selbst ernst zu nehmen. Ohne Drama. Ohne Erklärung. Einfach wahrnehmen: Da fehlt gerade etwas.“

Easy

„Nicht um es sofort zu füllen. Sondern um es nicht zu übergehen.“

Professor von Mumpitz

„Ein bemerkenswert leiser Gedanke.“

(Stille. Kein Abschluss. Kein Rat.)

✨ Gemeinsam und doch für sich

✨ Nähe fühlt sich für jeden anders an

✨ Und manchmal reicht es, das zu bemerken