Luna Milbe und die Sache mit dem Näherdran

Luna Milbe saß auf dem Rand des Sofas und ließ die Beine baumeln.

Nicht, weil sie nicht wusste, wohin mit ihnen.

Sondern weil dieses Beinebaumeln gerade gut zum Denken passte.

Mona Milbe saß ihr gegenüber. Ruhig wie immer. Die Hände im Fell, der Blick offen.

„Du bist heute schon das dritte Mal aufgesprungen“, sagte Mona schließlich.

Luna grinste.

„Ich bin halt zu Besuch. Da bewegt man sich mehr.“

„Oder man bewegt sich, weil man nicht nur zu Besuch sein will“, sagte Mona sanft.

Luna stoppte mitten im Wippen.

„So auffällig?“

Mona lächelte.

„Du bist meine Schwester. Ich sehe sowas.“

Luna rutschte ein Stück näher.

„Metjendorf ist einfach… weit“, sagte sie. „Also nicht weit weit. Aber so… gedanklich weit. Und tänzerisch.“

„Tänzerisch“, wiederholte Mona.

„Ja“, sagte Luna ernst. „Wenn man erst mal in der Stadt ist und dann wieder zurück muss. Und dann ist es dunkel. Und der Beat ist eigentlich noch gar nicht fertig.“

Mona nickte. Sie verstand das.

„Osternburg ist näher dran“, sagte sie. „Zentraler.“

„Und Drielake ist gemütlich“, ergänzte Luna. „Aber bei euch ist halt schon viel los.“

Mona sah sich um.

Frau Schmidt döste auf ihrem Lieblingsplatz.

Professor von Mumpitz brummelte leise vor sich hin.

Ewo kam und ging, wie Möwen das eben tun.

Ritter Rötje hatte gerade eine Pause eingelegt.

„Das stimmt“, sagte Mona. „Hier ist selten ganz still.“

„Ich bin auch nicht ganz still“, sagte Luna schnell. „Also nur manchmal. Und meistens nur, wenn Musik läuft.“

Mona musste lachen. Wirklich lachen.

„Das habe ich gemerkt.“

Luna legte den Kopf schief.

„Du findest das nicht schlimm, oder?“

„Nein“, sagte Mona. „Aber Brodie und Joss müssen arbeiten. Und Ruhe gehört auch dazu.“

Luna seufzte. Nicht dramatisch. Eher nachdenklich.

„Ich will ja niemandem im Weg sein. Ich will nur näher dran sein. An dir. Und am Leben.“

Mona schwieg einen Moment. Dann sagte sie:

„Weißt du, mir ist gerade etwas eingefallen.“

Luna sah sofort auf.

„Immer wenn du das sagst, kommt was Gutes.“

„Nic“, sagte Mona.

„Nic?“ Lunas Augen wurden größer.

„Ja“, sagte Mona. „Nic und CJ. Die haben Platz. Und Decken. Viele Decken.“

„Und Musik“, sagte Luna leise.

„Und Musik“, bestätigte Mona. „Sie hören selbst gern welche.“

Luna rutschte ganz an Mona heran.

„Meinst du wirklich?“

„Ich denke schon“, sagte Mona. „Aber wir machen das ordentlich.“

„Ordentlich tanzen?“ fragte Luna.

Mona schmunzelte.

„Ordentlich fragen.“

„Also Brodie?“

„Ja“, sagte Mona. „Brodie muss Nic fragen. Vielleicht beim Telefonieren. Oder wenn sie schreiben. Oder wenn sie mal dort ist.“

„Und CJ natürlich auch“, sagte Luna schnell. „Weil ich bin… na ja… manchmal laut.“

„CJ kennt das“, sagte Mona trocken. „Er hat Nic schließlich mal einen Plattenspieler geschenkt. Seitdem darf Musik hier auch mal ein bisschen lauter sein.“

Luna lachte.

„Und wenn es Nic mal zu viel wird?“

Mona lehnte sich zurück.

„Dann kommst du öfter zu mir. Wenn Brodie und Joss arbeiten. Dann tanzen wir im Wohnzimmer.“

Luna blinzelte.

„Du tanzt doch gar nicht so viel.“

Mona hob eine Augenbraue.

„Das glaubst du.“

Luna grinste breit.

„Ich wusste es.“

Sie saßen einen Moment still da.

Nicht schwer.

Nicht traurig.

Nur voller Möglichkeiten.

„Weißt du“, sagte Luna schließlich, „ich muss ja nicht immer bleiben. Ich komme ja auch gern wieder.“

„Das ist das Schöne an dir“, sagte Mona. „Du bist unterwegs. Aber du verlierst nie die Richtung.“

Luna stand auf.

„Dann tanze ich jetzt erst mal hier“, sagte sie. „Ganz leise. Nur ein bisschen.“

Mona nickte.

„Und ich bleibe sitzen.“

„Wie immer“, sagte Luna liebevoll.

Die Musik lief leise.

Zwei Milben.

Ein Wohnzimmer.

Und das Gefühl, dass Nähe manchmal einfach eine gute Idee braucht.

🎶 Musik: „Disco Funky Groove“ von OctoSound

Lizenzfreie Musik via Pixabay