Weihnachten bei Brodie
Dieses Jahr war alles ein bisschen anders. Kein Trubel. Kein volles Haus. Kein perfekter Plan mit Glanz und Gloria.
Brodie war gerade erst wieder zu Hause. Das Krankenhaus lag noch nicht lange zurück. Ihr Körper war müde, die Kräfte noch auf Sparflamme. Aber ihr Herz, das klopfte warm und weich, denn sie war umgeben von den besten Wesen der Welt.
Schon am Morgen hatte Joss die Ärmel hochgekrempelt.
„Kartoffelsalat wie immer, Brodie“, hatte er gesagt.
Doch kaum hatte er die ersten Kartoffeln gepellt, war er auch schon umzingelt.
Jack schob sich entschlossen zwischen die Schüsseln und bestand darauf, die Gurken zu schneiden.
„Ich kann das in dünn“, rief er stolz und ließ sich nicht abwimmeln.
Mona kontrollierte den Essig-Öl-Anteil mit scharfem Blick.
„Nicht zu viel Senf, wir wollen die Kartoffeln nicht erschrecken.“
Ewo flatterte mit einer roten Schleife durch die Küche, ließ sich auf dem Kühlschrank nieder und verkündete in bestem Tonfall:
„Ich bin heute für die Festtagsstimmung zuständig. Achtung, ich singe gleich!“
Im Wohnzimmer lag Brodie auf dem Sofa. Eingemummelt in weiche Kissen, ein Weihnachtsfilm flackerte über den Bildschirm. Kein Pflichtprogramm. Kein Muss. Nur ein bisschen Weihnachtsglitzer auf der Seele.
Britni setzte sich zu ihr.
„Du musst heut nichts tun“, sagte sie leise.
„Du bist da, das reicht.“
Aus der Küche hörte man plötzlich ein KLONK. Jack hatte die Salatschüssel fallen lassen. Nichts Schlimmes, aber alle lachten. Selbst Brodie, die eigentlich gar nicht lachen wollte heute.
Und dann trat Professor von Mumpitz auf den Plan. Mit einem kleinen Notenheft und einer übergroßen Brille, die er sich extra fürs Rezitieren aufgesetzt hatte.
Er räusperte sich und begann:
🎄
Ein kleines Fest mit warmem Licht
kein Glanz der gleißt kein Rampenlicht
Ein Sofa Stille weiches Sein
und Brodie mittendrin ganz fein
Die Bande wuselt schneidet singt
weil Liebe leise Wunder bringt
Kein Gold kein Kitsch kein Riesenspaß
nur echtes Herz aus warmem Glas
Und wer das sieht und wer das spürt
versteht worum sichs wirklich dreht
Denn manchmal reicht ein stiller Blick
damit das Herz sich heimlich hebt
🎄
Als das Gedicht verklang, war es einen Moment ganz ruhig im Raum. Dann nickte Brodie langsam.
„Das war schön, Professor. Sehr sogar.“
Der nickte ehrfürchtig zurück.
Und während draußen der Wind über die Dächer pfiff, war drinnen alles gut.
Nicht perfekt.
Aber warm.
Und ehrlich.
Und das war in diesem Jahr genau das, was zählte.
Als der Tag langsam zur Ruhe kam und der Kartoffelsalat gut durchgezogen war, war es Zeit für den letzten Feinschliff.
Joss schaltete die Prep&Cook an und Mona stand daneben wie ein Küchenchef beim Finale.
„Nicht zu heiß“, murmelte sie, „sonst platzen sie. Und das ist keine Option. Nicht an Heiligabend.“
Und so dampften die Würstchen bald aus der Schüssel, genau auf den Punkt.
Alle versammelten sich im Wohnzimmer. Brodie lag noch immer auf dem Sofa, ein bisschen müde, aber voller leiser Freude.
„Ein Film vielleicht?“ fragte Joss und die Bande nickte im Chor.
Welcher es wurde, bleibt ihr Geheimnis.
Nur so viel: Er war actionreich. Brodie hatte trotzdem ein Taschentuch in der Hand, das nie ganz trocken blieb. Und alle rückten ein Stückchen näher zusammen.
Easy hatte sich längst neben sie gesetzt, mit einer Decke über den Knien und einem aufmerksamen Blick auf alles, was Brodie brauchte.
Mona balancierte mit einer dramatischen Geste eine Schale Eis herein, Britni verteilte kleine Portionen und Frau Schmidt krabbelte langsam, aber zielstrebig, Richtung Sahnetupfer.
„Ohne Nachtisch ist kein Fest ein Fest“, murmelte Jack und schleckte genüsslich an seinem Becher.
„Na dann los“, rief Ewo, „ich sehe was, was du nicht siehst!“
Alle stöhnten. Wirklich? Dieses Spiel?
Aber dann begannen sie zu raten.
Und zu lachen.
Und sie hörten nicht so schnell wieder auf.
Ritter Rötje saß kerzengerade mit seinem Minihelm auf der Lehne.
„So wahr ich Rötje heiße, das ist wahrlich ein Festspiel!“
Als sich die Stimmen langsam senkten und die Kerzen flackerten, legte Joss noch eine CD ein.
Alte Weihnachtslieder, liebevoll ausgewählt, füllten den Raum.
Professor von Mumpitz wippte mit den Füßen, Frau Schmidt schnarchte leise auf dem Sofakissen, und Brodie sah sich um.
Auf dem kleinen Lederhocker neben dem Sofa lehnte Ewo mit seiner roten Schleife, Jack saß auf der Sofalehne mit einem Eislöffel in der Pfote, Mona war halb eingeschlafen im Teppichnest, und Britni streichelte ihr beruhigend über den Rücken.
Niemand war weggeflogen, keiner glänzte besonders hell, aber alle waren da.
Und so anders dieses Weihnachten auch war
Es war auch schön
warm
echt
und ganz und gar Brodie
✨
Manchmal trägt Weihnachten so viele Erwartungen auf den Schultern, dass es fast zu schwer wird.
Wie es sein soll, wie es früher war, wie man es sich wünscht.
Aber manchmal geht es einfach nicht so, wie man es geplant hat.
Weil das Leben dazwischenkommt
weil der Körper leiser spricht
weil das Herz langsamer schlägt.
Dann darf Weihnachten kleiner sein.
Still.
Sanft.
Ein bisschen verschoben vielleicht.
Und trotzdem voller Liebe.