12. Oktober – Prinz auf der Erbse & geplatzte Knallerbsen

Kurti Knut von Schwartau berichtet ☃️

Montag, 12. Oktober 2026

Tag 7: Prinz auf der Erbse, Tiramisu und ein geplatzter Knaller

Moin, ihr Lieben!

Die zweite Rehawoche hat begonnen. Und ich möchte gleich zu Anfang verkünden: Meine Wohnverhältnisse haben sich verbessert! Jedenfalls vorübergehend.

Britta hat mein graues Nackenhörnchen auf ihrem flachen Nackenstützkissen platziert. Darunter eine Matratze, und das Ganze auf einem elektrisch verstellbaren Bett. Ich thronte dort wie ein kleiner Prinz auf der Erbse. Endlich eine Unterkunft, die meinem Namen gerecht wird!

Besonders interessant finde ich die Fernbedienung. Kopfteil hoch, Fußteil hoch, das ganze Bett hoch und runter. Meine Güte, damit könnte man auf dem Oldenburger Kramermarkt richtig Geld verdienen!

„Kurti Knuts Schneemann-Express – einmal hoch, einmal runter, und wer seine Möhre verliert, hat Pech gehabt!“

Leider liegt die Fernbedienung noch außerhalb meiner Reichweite. Aber ich arbeite daran. Meine Ärmchen sind kurz, mein Ehrgeiz ist groß.

Während ich also an meiner Karriere als Fahrgeschäftbetreiber tüftelte, spazierte Britta schon wieder zum Kurteich. Dort lag wunderschöner Morgennebel über dem Wasser. Die Bäume tauchten langsam aus dem Dunst auf, und die jungen Schwäne waren mit ihrer Morgentoilette beschäftigt.

Morgentoilette bei Schwänen! Offenbar gibt es hier wirklich für jeden ein Wellnessprogramm. Außer für mich.

Anschließend ging Britta zur Kunsttherapie. Und ich? Ich blieb selbstverständlich zurück. Später brachte sie sogar etwas Selbstgestaltetes mit aufs Zimmer.

Seitdem habe ich wenigstens etwas Neues zum Anschauen. Man wird ja bescheiden.

Danach standen noch Wirbelsäulengymnastik und weitere Termine auf ihrem Programm. Ich habe inzwischen aufgehört, ihre Anwendungen zu zählen. Das macht mich nur neidisch.

Zum Mittagessen gab es Spaghetti Carbonara.

Spaghetti Carbonara!

Ich möchte daran erinnern, dass ich seit einer Woche versuche, eine geregelte Verpflegung zu bekommen. Britta hingegen scheint inzwischen sämtliche italienischen Spezialitäten durchzuprobieren.

Und während ich noch über die ungerechte Nudelverteilung nachdachte, wurde meine Unterkunft kurzerhand umgestaltet.

Als Britta mittags wieder losmusste, setzte sie mich nämlich auf die obere Bettkante. Direkt auf das harte Holz!

Morgens Prinz auf der Erbse, mittags Schneemann auf der Holzbank.

Ich hatte nicht einmal ein Sitzkissen. Vermutlich sollte das eine Übung zur Abhärtung sein. Die entsprechende Verordnung würde ich allerdings gern einmal sehen!

Am Nachmittag wurde es dann richtig aufregend. Britta fuhr spontan mit einer netten Begleitung nach Lübeck.

Nach Lübeck!

Ich habe noch nicht einmal den Kurteich persönlich kennengelernt, und diese Frau bereist bereits die nächste Stadt. Ich möchte ja nicht kleinlich sein, aber mein Aktionsradius beträgt weiterhin ungefähr einen halben Meter.

In Lübeck gab es wunderschöne alte Gebäude, Kirchen, das Holstentor, herbstliche Sonne und einen gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt.

Britta machte natürlich wieder jede Menge Fotos. Inzwischen kenne ich halb Norddeutschland vom Handybildschirm. Vielleicht sollte ich daraus einen eigenen Reiseführer machen: „Die schönsten Orte, an denen ich niemals war.“

Und dann kam der Höhepunkt.

Café Niederegger.

Tiramisu-Eisbecher.

Café au Lait.

Ich musste diese drei Begriffe erst einmal auf mich wirken lassen.

TIRAMISU-EISBECHER!

Während ich auf meiner Holzbank saß, ließ Britta es sich also in der Sonne gut gehen und genoss italienische Dessertkunst mitten in Lübeck.

Ich finde das grundsätzlich schön. Wirklich.

Aber langsam frage ich mich, ob Jens mich als Reisebegleiter oder als unbezahlten Zimmerwächter mitgeschickt hat.

Auf dem Rückweg ging es noch ein Stück durch den Wald. Und dort begegneten Britta wieder die Knallerbsen, die sie schon vor ein paar Tagen entdeckt hatte. Damals war ihr ein E-Scooter-Fahrer dazwischengekommen. Aber heute? Weit und breit kein E-Scooter in Sicht, und ihre Begleitung war gerade mit Telefonieren beschäftigt. Endlich freie Bahn für Operation Knallerbse! 😉

Diese kleinen weißen Beeren, die beim Aufprall manchmal so herrlich ploppen.

Britta war begeistert und begann ein kleines Experiment. Eine Beere auf die Bank geworfen. Nichts. Eine vorsichtig gedrückt. Wieder nichts. Die restlichen auf den Waldboden befördert.

Kein einziger Knall!

Ich stelle mir das gerade vor: Eine erwachsene Frau steht mitten im Wald und versucht, Beeren zum Knallen zu überreden, während ihre Begleitung völlig ahnungslos telefoniert.

Operation Knallerbse – kläglich gescheitert! 😂

Vielleicht waren die Beeren ebenfalls in Reha und hatten heute Entspannung auf dem Programm.

Am Abend kam Britta schließlich zurück. Nach dem Essen und Duschen war es Zeit, es sich gemütlich zu machen.

Und ich?

Ich wurde wieder in mein Nackenhörnchen gesetzt. Allerdings so tief, dass inzwischen nur noch mein Gesicht herausschaut.

Morgens Prinz auf der Erbse. Mittags Holzbank. Abends Schneemann im Tarnmodus.

Ich frage mich langsam, ob Britta meine Unterbringung nach einem Zufallsprinzip gestaltet.

Aber immerhin habe ich von meinem neuen Platz aus das ganze Zimmer im Blick. Und wenn ich mich ganz vorsichtig nach vorne lehne, kann ich vielleicht irgendwann doch noch die Fernbedienung erreichen.

Dann wird hier Kramermarkt gefeiert!

So endet mein siebter Rehatag. Britta hat schöne Erinnerungen gesammelt, ich habe drei verschiedene Sitzpositionen ausprobiert und die Knallerbsen haben ihren Beruf offenbar verfehlt.

Frostige Grüße

Euer Kurti Knut von Schwartau ☃️

Rehabilitand ohne Therapieplan · Zimmerwächter wider Willen · Fahrgeschäftbetreiber in Vorbereitung

P. S.: Falls jemand weiß, wie man eine Fernbedienung mit zehn Zentimeter langen Schneemannärmchen erreicht: Ich bin für Hinweise dankbar. 😂