13.10. – Schlumpfhausen, Schwanenpopos und ein Schneemann ohne Ausgang ☃️🍄

Moin, ihr Lieben!

Hier meldet sich wieder Kurti Knut von Schwartau, staatlich nicht anerkannter Rehapatient, hauptberuflicher Nackenhörnchenbewohner und inzwischen ziemlich erfahrener Zimmerhüter. Acht Tage bin ich nun schon hier. Acht! Und während Britta täglich neue Abenteuer erlebt, besteht mein Freizeitprogramm weiterhin aus Sitzen, Gucken und gelegentlichem Umsetzen. Immerhin habe ich mittlerweile einen ausgezeichneten Logenplatz. Von meinem gemütlichen Nackenhörnchen aus überblicke ich das Geschehen wie ein kleiner Schneekönig. Nur die Krone fehlt. Und das Personal.

Britta war heute Morgen wieder früh unterwegs. Erst ein gemütliches Frühstück mit netten Gesprächen, dann zog es sie natürlich an den Kurteich. Ich sage inzwischen nur noch KURTeich. Schließlich steckt mein Name drin, und irgendeine Verbindung muss es zwischen diesem Gewässer und mir doch geben! Leider hat noch niemand ein Schild mit „Kurti Knuts Privatgewässer“ aufgestellt. Die Verwaltung lässt zu wünschen übrig.

Am Teich lag wieder wunderschöner Morgennebel über dem Wasser. Die Schwäne waren ebenfalls schon auf den Beinen beziehungsweise auf den Flossen. Besonders die jungen Schwäne haben es Britta angetan. Sie beobachtet, wie sie schwimmen, sich putzen und nach Futter tauchen. Einer machte sogar einen regelrechten Kopfstand im Wasser. Popo nach oben, Kopf nach unten! Ich wusste gar nicht, dass es hier auch Unterwasserturnen gibt. Wahrscheinlich haben die Schwäne längst einen vollständigen Therapieplan. Im Gegensatz zu mir.

Doch dann wurde es richtig geheimnisvoll. Britta verschwand im Wald und entdeckte dort ein ganzes Märchenland! Zwischen Moos, Blättern und alten Baumstämmen standen Pilze in allen möglichen Größen und Formen. Manche einzeln, andere in großen Familienverbänden. Und dann dieses eine Pilzdorf! Lauter kleine Schirmchen dicht an dicht, als hätten sie sich zu einer Eigentümerversammlung getroffen. Für mich steht fest: Britta hat Schlumpfhausen entdeckt! 🍄

Wahrscheinlich war Papa Schlumpf gerade beim Einkaufen, Schlumpfine beim Friseur und Gargamel hatte glücklicherweise einen freien Tag. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Britta so ungestört fotografieren konnte. Ich hätte mich übrigens sofort als Dorfschneemann beworben. Ein bisschen Schnee vor dem Rathaus, und schon wäre ich unentbehrlich!

Auch eine Pusteblume hatte sich besonders herausgeputzt. Über und über mit winzigen Tautropfen besetzt, sah sie aus, als hätte jemand ihr ein Kleid aus lauter glitzernden Perlen angezogen. Britta hielt natürlich sofort die Kamera drauf. Und weil Pusteblumen nun einmal zum Wünschen da sind, gab es auch einen Wunsch. Welchen, verrate ich nicht. Wünsche müssen schließlich geheim bleiben. Sonst kommt womöglich noch ein Schlumpf und schnappt ihn sich!

Weiter ging es zu einer richtigen Märchenstunde mitten im Wald. Da stand tatsächlich ein aufgeschlagenes Buch auf einem Baumstumpf! Dazu ein Schild mit der Aufschrift „Märchenstunde“ und eine Station über geheimnisvolle Waldklänge. Sogar ein Baumtelefon gab es. Ein Telefon aus Holz! Ich frage mich, ob man damit auch nach Oldenburg telefonieren kann. Ich hätte nämlich dringend mit Jens zu besprechen, warum er mich zwar heimlich in Brittas Gepäck geschmuggelt, aber keinen Ausflugsvertrag für mich abgeschlossen hat.

Und dann entdeckte Britta auch noch ein Herz, eingeritzt in einen Baum. Darin die Buchstaben H und W, verbunden durch ein Unendlichkeitszeichen. Hach! ❤️ Wer mögen diese beiden sein? Zwei Menschen, die sich vor vielen Jahren dort ihre Liebe versprochen haben? Vielleicht sind sie inzwischen längst gemeinsam alt geworden und wissen gar nicht mehr, dass ihr kleines Herz noch immer im Wald zu finden ist. Oder H und W stehen für Hänsel und Waldhexe? Bei all den Pilzen und Märchenbüchern würde mich inzwischen gar nichts mehr wundern!

Zwischendurch entdeckte Britta wunderschöne Blumen. Eine lila Blüte, die aussah, als hätte jemand sie mit Wasserfarben bemalt, und eine große rosafarbene Dahlie, auf deren Blütenblättern unzählige Regentropfen glitzerten. Britta findet eben immer etwas, das andere vielleicht übersehen. Sie schaut nach oben, nach unten, nach links und nach rechts. Ich vermute, irgendwann fotografiert sie noch eine Ameise beim Schuheputzen.

Später stand für Britta Bewegung auf dem Programm. Erst wurde trainiert, dann gab es ein Sportseminar. Ich habe gehört, dass dabei auch eine sogenannte Slashpipe zum Einsatz kam. Eine Röhre, in der Wasser hin und her schwappt! Na wunderbar. Die Menschen dürfen mit Wasser spielen, während ich als Schneemann vorsichtshalber trocken im Zimmer sitze. Und Skisprungübungen gab es auch noch! Skispringen! Ohne Schnee! Da wäre ich doch wohl eindeutig der geeignetste Teilnehmer gewesen. Aber mich fragt ja keiner.

Zum Mittagessen gab es Vollkornspaghetti mit Gemüse-Bolognese und Salat. Wieder einmal wurde mir nichts angeboten. Nicht einmal eine einzelne Spaghetti zum Seilspringen. Danach schaute Britta natürlich erneut bei ihren Schwänen vorbei. Ich glaube langsam, die Tiere kennen sie schon. Vielleicht führen sie demnächst eine Anwesenheitsliste: „Britta? Anwesend! Kurti? Wie immer nicht dabei!“

Am Nachmittag hatte Britta noch wichtige Termine. Manche Begegnungen waren besonders herzlich, andere auch ein bisschen bewegend. Was dort besprochen wurde, gehört ganz allein ihr. Ich kann nur sagen: Es ist schön, wenn Menschen einander aufmerksam begegnen und kleine Gesten manchmal eine große Bedeutung bekommen. Selbst ein Schneemann mit großem Beschwerdepotenzial versteht so etwas. Ich bin schließlich nicht aus Eis. Na gut, eigentlich sollte ich das sein. Aber ihr wisst schon, was ich meine.

Nach diesem ereignisreichen Tag ging Britta noch ein bisschen an die frische Luft, erledigte einige Besorgungen und gönnte sich ein Franzbrötchen. Ein Franzbrötchen! Zimtig, süß und bestimmt köstlich. Ich hätte ja wenigstens die Krümel genommen. Stattdessen musste ich wieder einmal feststellen, dass das Verpflegungskonzept für mitreisende Schneemänner erhebliche Lücken aufweist.

Abends gab es noch nette Gespräche beim Essen, bevor Britta auf ihr Zimmer zurückkehrte. Dann wurde geduscht, eingecremt und schließlich auf dem Bett entspannt. Wobei sie manchmal behauptet, sie läge auf dem Sofa. Ein Sofa gibt es hier allerdings gar nicht. Ich vermute, die Reha zeigt erste Auswirkungen auf ihre Fantasie. Andererseits: Wer im Wald ein Schlumpfdorf entdeckt, darf sein Bett wohl auch Sofa nennen.

Und ich? Ich bekam endlich wieder meinen angestammten Platz im Nackenhörnchen. Schön aufgerichtet, mit bester Aussicht und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen königlicher Würde und stiller Empörung liegt.

Mein Fazit des Tages: Britta entdeckt Schlumpfdörfer, geheimnisvolle Liebesgeschichten, glitzernde Pusteblumen und schwimmende Kopfstandkünstler. Sie darf trainieren, spazieren gehen und Franzbrötchen essen. Und ich bewache weiterhin das Zimmer.

Aber eines sage ich euch: Sollte Papa Schlumpf noch einen Bürgermeister suchen, bin ich sofort verfügbar. Erfahrung im Herumsitzen und wichtige Dinge beobachten bringe ich schließlich reichlich mit!

Schneeflockige Grüße aus Bad Schwartau!

Euer Kurti Knut von Schwartau ☃️🍄🦢