14.10.– Ein Tunnel aus Oldenburg, Kunsttransport und Schokolade in Not

Moin, ihr Lieben!

Hier meldet sich wieder Kurti Knut von Schwartau, staatlich nicht anerkannter Rehapatient, hauptberuflicher Nackenhörnchenbewohner und seit heute auch ehrenamtlicher Schokoladenretter. Ich sage euch, dieser Mittwoch hatte es in sich! Britta war wieder überall unterwegs, Jens bekam einen neuen Beruf, im Wald wurde möglicherweise ein internationales Verkehrsprojekt entdeckt und ich musste mich zeitweise sogar vor einer Erkältung schützen. Dabei wollte ich doch eigentlich nur in Ruhe meine Reha machen. Ach ja, richtig. Ich habe ja gar keinen Therapieplan!

Der Tag begann immerhin mit einer erfreulichen Nachricht: Britta hatte bis kurz nach sechs geschlafen. Für ihre Verhältnisse beinahe Ausschlafen! Ich war natürlich längst wach. Als Schneemann mit verantwortungsvoller Zimmeraufsicht kann man schließlich nicht einfach die Augen schließen. Na gut, meine Knopfaugen lassen sich ohnehin nicht schließen. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach dem Frühstück zog es Britta wieder an den KURTeich. Ich betone weiterhin ausdrücklich das KURT in diesem Namen! Dort gab es ein Wiedersehen mit Herrn Schnabel, unserem würdevollen Graureiher. Der stand wieder so elegant am Wasser, als würde er persönlich die morgendliche Anwesenheitskontrolle durchführen. Die Enten waren ebenfalls unterwegs, und natürlich durften auch die Schwäne mit ihrem Nachwuchs nicht fehlen. Ich vermute inzwischen, Britta hat dort einen geheimen Beobachtungsvertrag abgeschlossen. Jedenfalls kommt sie kaum an diesem Gewässer vorbei, ohne ihre Kamera herauszuholen.

Und dann traf sie auch noch den freundlichen Elektriker wieder, der ihr vor einigen Tagen Minigolf empfohlen hatte. Diesmal kamen die beiden ins Gespräch und unterhielten sich über die Freizeitmöglichkeiten hier. Minigolf! Da wäre ich sofort dabei. Ich könnte mich als Ball tarnen und einfach über die Bahn rollen. Andererseits wäre das bei meinem Körperbau vermutlich eine ziemlich holprige Angelegenheit. Und mit meiner Möhrennase würde ich spätestens am ersten Hindernis stecken bleiben.

Um 9:15 Uhr stand für Britta ein Seminar zur Reha-Nachsorge auf dem Programm. Da ging es darum, welche Möglichkeiten es gibt, nach der Reha weiterzumachen. Eine vernünftige Sache, finde ich. Schließlich sollte man rechtzeitig planen. Ich selbst habe übrigens ebenfalls eine Nachsorgeidee: ein gemütliches Nackenhörnchen, regelmäßige Obstkontrollen und mindestens eine Schokoladenlieferung pro Woche. Leider scheint dieses Programm noch nicht offiziell anerkannt zu sein.

Anschließend hatte Britta ihre ärztliche Visite. Die Ärztin war wieder sehr freundlich, und Britta konnte in Ruhe alles besprechen, was ihr wichtig war. Ich habe währenddessen selbstverständlich das Zimmer bewacht. Irgendjemand muss ja aufpassen, dass nicht plötzlich jemand mein Nackenhörnchen anderweitig vergibt!

Überhaupt ist Britta momentan ein bisschen erkältet. Und da stellt sich für mich natürlich eine äußerst wichtige Frage: Kann ein Schneemann eigentlich eine Erkältung bekommen? Und falls ja, wie äußert sich das? Läuft ihm dann die Möhrennase? Bekommt er Frostbeulen? Oder niest er statt „Hatschi“ einfach „SCHNEE-TSCHI!“?

Ich wollte jedenfalls kein Risiko eingehen und habe mir vorsichtshalber Brittas Tuch geschnappt. Schön vor die Möhrennase damit! Auf dem Foto sehe ich aus wie ein kleiner Schneemann im Zeugenschutzprogramm. Aber Sicherheit geht vor. Wobei mir anschließend einfiel, dass Britta das Tuch selbst trägt. Vielleicht sollte ich mein Hygienekonzept noch einmal überarbeiten.

Und dann wurde es plötzlich geheimnisvoll! Britta entdeckte draußen ein kleines Erdloch zwischen Blättern und Pflanzen. Ein ganz normales Loch, könnte man meinen. Aber nicht, wenn man unsere Freunde aus Brodies Welt kennt!

Ich habe nämlich einen ziemlich konkreten Verdacht: Jack!

Ja, genau der Jack! Unsere amerikanische Wühlmaus aus Texas, die inzwischen längst in Oldenburg zu Hause ist. Cowboyhut, rotes Halstuch, Grashalm im Mäulchen und immer bereit für das nächste Abenteuer.

Was, wenn dieser kleine Kerl tatsächlich einen unterirdischen Tunnel von Oldenburg nach Bad Schwartau gegraben hat? Die Oldenburg–Bad-Schwartau-Expressröhre! Andere fahren mit dem Zug, Jack reist offenbar im Erdgeschoss. Also ungefähr zwei Meter darunter.

Ich stelle mir vor, wie plötzlich sein schiefer Cowboyhut aus dem Loch auftaucht.

„Howdy, folks! Jack here! Is this Bad Schwartau or Las Vegas?“

Und ich würde natürlich sofort fragen: „Jack! Wie bist du denn hierhergekommen?“

„Took a little shortcut underground, buddy!“

Ein kleiner Umweg durch halb Norddeutschland! Typisch Jack. Vermutlich hat er unterwegs noch eine Tulpenzwiebel gefunden und die letzten Kilometer auf Niederländisch geflucht.

Ob er wirklich dort war, wissen wir natürlich nicht. Vielleicht wohnt in dem Loch auch eine ganz gewöhnliche Maus, die von internationalen Tunnelprojekten noch nie etwas gehört hat. Aber ich werde die Sache im Auge behalten. Schließlich wäre es eine ziemliche Frechheit, wenn Jack bis nach Bad Schwartau buddeln kann und ich es nicht einmal bis zum KURTeich schaffe!

Später stand für Britta Kunsttherapie auf dem Programm. Und was soll ich sagen? Sie kam wieder einmal völlig begeistert zurück! Dabei hätte sie vor der Reha selbst nicht gedacht, wie viel Freude ihr das kreative Arbeiten machen würde. Heute durfte jeder zunächst ein persönliches Manifest für die Zeit nach der Reha schreiben und anschließend mit Modelliermasse oder Speckstein ein Erinnerungsstück gestalten. Britta entschied sich für Modelliermasse. Schließlich hat sie schon als Kind gern geknetet!

Was sie genau geschaffen hat, bleibt ihr kleines Geheimnis. Aber ich kann euch verraten: Es sind mehrere kleine Werke entstanden, die nun erst einmal trocknen müssen. Und auch ein größeres Bild aus einer früheren Kunststunde wartet noch darauf, irgendwann mit nach Hause zu dürfen.

Damit kommen wir zu einer wichtigen Personalentscheidung. Jens wurde von Easy offiziell zum Kunsttransportbeauftragten ernannt! Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Mann dachte vermutlich, er kommt demnächst einfach zu Besuch. Stattdessen soll er eine geeignete Box für empfindliche Kunstwerke und etwas zum sicheren Transport des großen Bildes mitbringen.

Ich finde das ausgesprochen professionell. Britta produziert, Jens transportiert und ich übernehme die Museumsleitung. Meine Qualifikation? Ich kann stundenlang regungslos vor einem Kunstwerk sitzen und bedeutungsvoll gucken. Das muss mir erst mal einer nachmachen!

Nach all diesen Ereignissen gab es eine kleine Obstpause auf dem Bett. Britta hatte Apfelstücke und Mandarinen vorbereitet. Und selbstverständlich habe ich mich sofort zur Qualitätskontrolle gemeldet. Zunächst begutachtete ich die Schale von der Seite. Dann beugte ich mich vorsichtig hinein. Schließlich hing ich praktisch kopfüber über der Obstabteilung.

Man kann schließlich nie wissen, ob sich zwischen zwei Mandarinenstücken nicht doch noch eine kleine Schokoladenkugel versteckt! Ich habe gründlich gesucht. Leider erfolglos. Aber die Apfelstücke machten einen ordentlichen Eindruck.

Anschließend durfte ich wieder auf meinen angestammten Platz im Nackenhörnchen zurück. Ein bisschen Ruhe muss schließlich sein. Die ganze Verantwortung für Obst, Kunst und Zimmeraufsicht kann selbst einen gestandenen Schneemann erschöpfen.

Britta gönnte sich zwischendurch noch einen Kaffee draußen im Strandkorb. Im Oktober! Einfach herrlich. Sie sitzt gemütlich an der frischen Luft, während ich weiterhin meine graue Polsterlandschaft bewache. Ich frage mich langsam, ob man für Schneemänner eigentlich Strandkorb-Ausflüge beantragen kann. Vielleicht gibt es dafür ein Formular. Ich würde es sofort unterschreiben. Wenn ich einen Stift halten könnte.

Am Nachmittag besuchte Britta noch ein Seminar über seelische Gesundheit. Dabei ging es unter anderem um Dinge, die Menschen guttun können: schöne Begegnungen, Bewegung, Kreativität, Humor und Genuss.

Moment mal! Humor? Habe ich. Kreativität? Reichlich. Genuss? Daran arbeite ich täglich. Schöne Begegnungen? Ich bin selbst eine! Eigentlich müsste ich hier längst als Vorzeige-Rehabilitand ausgezeichnet werden. Stattdessen sitze ich immer noch ohne Therapieplan herum. Ich werde wohl eine Beschwerde an die Schneemann-Gewerkschaft schreiben müssen.

Danach ging Britta natürlich wieder an den KURTeich. Und dort wurde heute ein ganz besonderes Programm geboten. Die jungen Schwäne breiteten ihre Flügel aus und präsentierten eine beeindruckende Vorstellung. Flügel hoch, Flügel runter, schön ausstrecken und Haltung bewahren!

Schwanengymnastik!

Ich fasse es nicht. Sogar die Schwäne bekommen hier ein Bewegungsangebot! Und ich? Ich könnte wenigstens meine beiden Plüschärmchen heben. Vielleicht sogar gleichzeitig. Aber offenbar fehlen mir dafür die notwendigen Flügel.

Währenddessen glitzerte die Sonne auf dem Wasser, ein erwachsener Schwan zog majestätisch seine Runden und zwischen den herbstlichen Blättern leuchteten rote Beeren. Britta war natürlich wieder mit ihrer Kamera unterwegs. Sie entdeckt eben immer etwas Schönes, selbst wenn sie denselben Weg schon mehrmals gegangen ist.

Später telefonierte sie noch mit Jens. Die beiden freuen sich schon sehr auf seinen Besuch. Ich natürlich auch! Schließlich muss ich mit dem Kunsttransportbeauftragten noch einige organisatorische Fragen klären. Zum Beispiel, ob in seiner Box vielleicht zufällig auch Platz für einen kleinen Schneemann wäre. Nur für den Fall, dass ich irgendwann doch einmal einen Ausflug unternehmen möchte.

Am Abend gab es wieder nette Gesellschaft beim Essen. Anschließend spielte Britta noch drei fröhliche Runden Rummikub. Drei! Ich hätte ja auch gern mitgespielt. Aber meine kurzen Arme reichen kaum bis zur Bettfernbedienung. Wie soll ich da bitte Spielsteine aufstellen? Vielleicht könnte ich wenigstens als Glücksbringer neben dem Tisch sitzen. Erfahrung im Sitzen habe ich schließlich mehr als genug.

Und dann, meine lieben Freunde, geschah etwas Wunderbares.

Eine liebe Mitpatientin schenkte Britta wieder ein kleines Betthupferl. Eine Lindor-Kugel! Eine richtige, feine Schokoladenkugel! Und diesmal durfte ich sogar mitnaschen. Wir haben sie uns geteilt.

Ich sage euch: Endlich einmal eine Reha-Anwendung ganz nach meinem Geschmack!

Britta meinte anschließend, sie müsse mit Schokolade wohl ein bisschen aufpassen. Da habe ich selbstverständlich sofort meine Hilfe angeboten:

„Moin! Sollte sich irgendwann noch einmal Schokolade in unser Zimmer verirren, übernehme ich die komplette Entsorgung. Ganz allein! Ich weiß, das ist ein großes Opfer. Aber irgendjemand muss hier schließlich Verantwortung übernehmen!“

So bin ich eben. Hilfsbereit bis in die letzte Plüschfaser.

Inzwischen ist es Abend geworden. Britta hat es sich gemütlich gemacht, und ich sitze wieder auf meinem angestammten Platz. Mein Nackenhörnchen ist mittlerweile nicht nur Wohnsitz, sondern auch Kommandozentrale, Obstprüfstelle, Kunstaufsicht, Hygienestation und Schokoladenannahmestelle.

Wenn ich meinen heutigen Tag zusammenfasse, komme ich auf eine beeindruckende Bilanz: ein verdächtiger Tunnel aus Oldenburg, eine mögliche Wühlmaus auf Fernreise, ein neuer Kunsttransportbeauftragter, eine Obstkontrolle, eine gedankliche Teilnahme an der Schwanengymnastik und eine erfolgreich durchgeführte Schokoladenverkostung.

Sechs verantwortungsvolle Tätigkeitsbereiche. Null offizielle Anwendungen.

Ich finde, mein Antrag auf Anerkennung als voll ausgelasteter Reha-Patient ist damit praktisch unterschriftsreif.

Und falls Jack tatsächlich durch die Expressröhre hier angekommen ist, soll er sich bitte melden. Ich hätte da noch ein paar Fragen. Vor allem, ob er mich auf dem Rückweg vielleicht mitnehmen könnte.

Schneeflockige Grüße aus Bad Schwartau!

Euer Kurti Knut von Schwartau ☃️🐭🍫