15.10.2026 – Gefährliche Möhren, Aqua-Fitness D6 und der große Marzipan-Skandal

Moin, ihr Lieben! Hier meldet sich wieder Kurti Knut von Schwartau, offiziell mitgereister Schneemann, inoffizieller Reha-Patient und mittlerweile ziemlich erfahrener Beobachter menschlicher Ungerechtigkeiten.

Ich muss euch nämlich etwas erzählen. Britta war heute in Lübeck. In LÜBECK! Einer wunderschönen Stadt mit alten Häusern, Türmen, Marzipan und Kuchen. Und wo war ich? Richtig. In meinem grauen Nackenhörnchen. Aber dazu später mehr. Ich muss ja schließlich chronologisch berichten. Wir sind hier nicht bei der wilden Schneeballschlacht!

Der Donnerstag begann zunächst ganz gemütlich. Britta frühstückte, unterhielt sich nett und verschwand anschließend zu ihrer ersten Gruppe. Heute ging es um Ernährung. Ein Thema, bei dem ich grundsätzlich hellhörig werde. Schließlich bin ich seit meiner Ankunft hier mit der Verpflegungslage noch nicht vollständig einverstanden.

Als Britta zurückkam, erzählte sie begeistert, dass sie wieder einiges erfahren hatte. Unter anderem ging es natürlich auch um Gemüse. Und da wurde mir plötzlich ganz anders.

Möhren!

Ihr wisst schon. Diese orangefarbenen Dinger, die angeblich gut für die Augen sein sollen. Ich persönlich finde ja, dass Möhren vor allem eine wichtige Aufgabe haben: Sie gehören ins Gesicht eines Schneemanns!

Stellt euch mal vor, Britta kommt auf die Idee, meine Nase als besonders frische Gemüsebeilage zu betrachten! Da kann ich noch so gut gucken, wenn anschließend mein Gesicht nicht mehr vollständig ist!

Aber dann fiel mir etwas Beruhigendes ein: Britta verträgt rohe Möhren ja gar nicht besonders gut. Nur gekocht.

Puh!

Wobei ... gekocht?!

Ich habe vorsichtshalber beschlossen, mich von sämtlichen Kochtöpfen fernzuhalten. Sicher ist sicher. 🥕😂

Nach der Gruppe legte Britta erst einmal eine Pause ein. Das fand ich ausgesprochen vernünftig. Ich selbst praktiziere dieses Konzept inzwischen auf höchstem Niveau. Man könnte sogar sagen, ich bin hier der führende Experte für betreutes Herumsitzen.

Später zog es Britta natürlich wieder an den Kurteich. Und dort gab es heute eine ganz besondere Begegnung. Sie lernte nämlich zwei Menschen kennen, die einige der gefiederten Bewohner schon seit vielen Jahren beobachten und ihnen sogar Namen gegeben haben.

Eine Graugans heißt Ole. Und eine der Schwäninnen heißt Lisa!

Ole und Lisa! Ist das nicht herrlich?

Endlich weiß man mal, mit wem man es dort zu tun hat! Ich hatte ja schon überlegt, ob wir die ganze Gesellschaft einfach durchnummerieren müssen. Schwan eins, Schwan zwei, Ente mit Vorfahrt, Gans mit schlechter Laune ...

Aber nein! Ole und Lisa sind richtige Persönlichkeiten.

Und die beiden zeigten sich heute auch noch ausgesprochen fotogen. Besonders Ole ließ sich ausgiebig fotografieren. Lisa kam ebenfalls ganz nah ans Ufer. Britta war natürlich wieder begeistert und machte ein Bild nach dem anderen.

Ich frage mich allerdings, ob Ole weiß, dass er inzwischen auf dem besten Weg zum Bad Schwartauer Fotomodell ist. Vielleicht verlangt er demnächst eine Gage. Ein paar Körner, einen eigenen Liegestuhl oder wenigstens ein Schild mit der Aufschrift: „Ole. Bitte nur von meiner Schokoladenseite fotografieren!“

Und dann wurde es sportlich. Jedenfalls für die anderen.

Auf einer kleinen schwimmenden Plattform entdeckte Britta mehrere Gänse, die offenbar auf etwas warteten. Daraus machte sie kurzerhand ein kleines Video über die Reha-Sportgruppe D6 Aquafitness.

Die gefiederten Teilnehmer warten auf ihren Trainer Ole. Der scheint allerdings gerade anderweitig beschäftigt zu sein. Vielleicht Mittagspause? Vielleicht den Therapieplan durcheinandergebracht? Jedenfalls muss plötzlich Nachwuchskraft Fiete einspringen, während zwei Enten auch noch zur Gruppe stoßen.

Ich sage euch, bei diesen Wasservögeln ist organisatorisch einiges los!

Und jetzt kommt der eigentliche Skandal: Ole hat offenbar so viele Aqua-Fitness-Termine, dass er schon durcheinanderkommt. Und ich? Ich habe noch nicht einmal meinen ersten Therapieplan!

Wer wissen möchte, wie das ganze Durcheinander ausgeht, schaut am besten bei „Brodie unterwegs“ auf Brittas YouTube-Kanal vorbei. Dort gibt es die Reha-Sportgruppe D6 Aquafitness in Aktion zu sehen! 🦆😂

Natürlich entdeckte Britta unterwegs auch wieder wunderschöne Blumen. Eine zarte rosa Rose mit kleinen Wassertropfen, leuchtende Dahlien und jede Menge herbstliche Farben. Sie hat wirklich ein Auge für solche Kleinigkeiten. Wo andere einfach vorbeigehen, bleibt sie stehen, schaut genauer hin und entdeckt wieder irgendetwas Besonderes.

Ich finde das ja auch schön. Allerdings würde ich mir wünschen, dass sie zwischendurch einmal etwas entdeckt, auf dem steht: „Kostenloser Ausflug für kleine Schneemänner.“

Zum Mittagessen gab es dann Geflügelfrikadelle, Kartoffeln und Möhrengemüse.

Moment mal. MÖHRENGEMÜSE?!

Da war sie wieder, meine persönliche Bedrohung!

Zum Glück blieb meine Nase unangetastet. Ich habe sie danach vorsichtshalber noch einmal kontrolliert. Alles dran. Orange. Flauschig. Wunderbar.

Am Nachmittag hatte Britta noch einen weiteren Gruppentermin. Und danach passierte etwas, das mich bis heute fassungslos macht.

Sie beschloss, nach Lübeck zu fahren.

Einfach so!

Mit dem Zug!

Ohne mich!

Ich meine, hallo? Ich bin doch nicht irgendein sperriger Schneemann aus drei riesigen Schneekugeln! Ich bin klein, handlich und ausgesprochen reisetauglich. In ihrer Tasche wäre ganz bestimmt noch Platz gewesen. Ich hätte mich sogar zwischen Taschentücher und Portemonnaie geklemmt. Ohne zu meckern. Na gut, fast ohne.

Aber Britta machte sich allein auf den Weg zum Bahnhof. Dabei lief sie durch ein kleines Waldstück und verpasste prompt ihre gewohnte Abzweigung.

Ha!

Das kommt davon, wenn man seinen persönlichen Schneemann-Navigator zu Hause lässt!

Irgendwann wunderte sie sich, dass der Weg plötzlich anders aussah. Und als sie aus dem Wald kam, war der Bahnhof nicht dort, wo sie ihn erwartet hatte. Erst ein Blick zur Seite brachte die Lösung.

Da war er ja!

Sie hatte einfach einen kleinen Umweg gemacht.

Ich hätte natürlich sofort gesagt: „Britta, links abbiegen! In 20 Metern bitte nicht wieder den hübschen Baum fotografieren!“

Aber mich fragt ja keiner.

Immerhin erreichte sie den Bahnhof und fuhr ganz entspannt nach Lübeck. Dort ging es vorbei am wunderschönen Holstentor, an alten Backsteinhäusern, Türmen und all den Dingen, die Britta so gerne fotografiert.

Und dann kam der nächste Skandal.

Heidelbeerkuchen!

Ein großes Stück Heidelbeer-Rührteigkuchen. Dazu Cappuccino. Mitten in Lübeck, auf dem Rathausmarkt!

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich daran erinnern, dass ich gestern noch mit einer einzigen Schokoladenkugel beschäftigt war. Und Britta sitzt heute gemütlich beim Kuchenessen, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.

Immerhin hatte sie dabei eine richtig schöne Begegnung. An ihrem Tisch entwickelte sich ein langes, nettes Gespräch mit einem älteren Ehepaar. So etwas mag Britta besonders. Man setzt sich irgendwo hin, kommt miteinander ins Gespräch und plötzlich vergeht die Zeit wie im Flug.

Die beiden gaben ihr auch noch einen Tipp: Sie solle sich unbedingt die Hüxstraße anschauen.

Gesagt, getan! Britta schlenderte anschließend durch die hübsche Straße, betrachtete Häuser und Geschäfte und machte natürlich wieder jede Menge Fotos.

Und dann entdeckte sie etwas, das selbst mich beinahe aus meinem Nackenhörnchen katapultiert hätte.

Marzipan-Kunstwerke bei Niederegger!

Da standen tatsächlich der Eiffelturm und der schiefe Turm von Pisa. Aus Marzipan!

Ich musste erst einmal nachdenken. Menschen bauen also riesige Kunstwerke aus etwas, das man essen kann, und stellen es dann hinter Glas?

Merkwürdige Spezies.

Besonders begeistert war Britta von einem aufgeschlagenen Buch aus Marzipan. Es zeigte Szenen aus dem Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane. Mit Figuren, Landschaften, Birnen und kunstvoll gestalteten Seiten.

Eine einzige Buchseite soll 35 Stunden Handarbeit gekostet haben!

Fünfunddreißig Stunden!

Ich brauche ungefähr drei Sekunden, um eine Marzipankartoffel interessant zu finden. Wir setzen offenbar unterschiedliche Prioritäten.

Britta musste bei dem Kunstwerk sofort an Jens denken. Der kann das Gedicht nämlich fast auswendig. Ich sehe ihn schon vor mir, wie er feierlich von Herrn Ribbeck erzählt, während ich im Hintergrund prüfe, ob die Birnen aus Marzipan vielleicht doch irgendwo lose herumliegen.

Und jetzt sagt mir bitte einer, warum ich bei diesem Ausflug nicht dabei sein durfte!

Ich hätte das Holstentor bewundert, den Kuchen beaufsichtigt und mich vor dem Marzipanbuch fotografieren lassen. Vielleicht sogar mit einer winzigen Marzipanbirne in der Hand.

Stattdessen saß ich zu Hause.

Im Nackenhörnchen.

Ohne Eintrittskarte.

Ohne Kuchen.

Ohne Marzipan.

Das muss man sich mal vorstellen!

Am Abend kam Britta schließlich wieder zurück. Sie hatte einen wunderschönen Nachmittag erlebt, viel gesehen, nette Gespräche geführt und war rundum zufrieden. Nach dem Abendessen machte sie es sich gemütlich und erzählte mir von ihren Erlebnissen.

Ich hörte aufmerksam zu. Schließlich bin ich ein höflicher Schneemann.

Aber innerlich arbeitete es gewaltig.

Ole hat einen Namen. Lisa hat einen Namen. Die Gänse haben ihre eigene Aqua-Sportgruppe. Britta bekommt Heidelbeerkuchen. Jens bekommt Marzipanfotos.

Und ich?

Ich bekomme Reiseberichte aus zweiter Hand!

Deshalb habe ich heute Abend einen offiziellen Antrag formuliert:

„Hiermit beantragt Kurti Knut von Schwartau die unverzügliche Aufnahme in sämtliche zukünftigen Ausflugsplanungen. Insbesondere bei Reisen in Städte mit Marzipanverkauf ist seine persönliche Anwesenheit dringend erforderlich.“

Ich finde, das ist sachlich, höflich und absolut angemessen.

Bis über meinen Antrag entschieden wird, bleibe ich auf meinem königlichen Platz sitzen und bewache meine Möhrennase.

Denn eines steht fest: Ich bin vielleicht ein kleiner Schneemann. Aber ich lasse mir nicht auch noch die Nase wegkochen!

Euer Kurti Knut von Schwartau ☃️❤️

P. S.: Britta, falls du noch einmal nach Lübeck fährst: Ich passe in die Tasche. Wirklich. Und ich verspreche, beim Marzipan nur zu gucken. Na ja ... zunächst jedenfalls. 😂