Szene: Winterabend im Wohnzimmer bei Brodie und Joss
Draußen liegt dieser typische Winterabend. Still, dunkel, ein bisschen schwer. Drinnen ist es warm. Nicht nur von der Heizung, sondern von diesem ruhigen Licht, das nur entsteht, wenn niemand mehr irgendwohin muss.
Auf dem Sofa sitzen Easy, Professor von Mumpitz und Frau Schmidt.
Aus der Anlage läuft leise Rebecca Ferguson. Free. Niemand hört aktiv zu. Und genau deshalb wirkt es.
Easy
(lehnt sich zurück, halb im Sofa versunken)
„Ich mag das Lied. Es will nichts von einem. Kein Neustart, kein Aufbruch, kein Jetzt-aber-wirklich. Es sagt eher: Du darfst mal loslassen.“
Professor von Mumpitz
(nickt ernst, dann leicht übertrieben)
„Ein Lied ohne Erwartungshaltung. Das ist in etwa so selten wie ein Vorsatz ohne schlechtes Gewissen.“
Frau Schmidt
„Vielleicht, weil Vorsätze oft anfangen mit dem Gefühl, dass man so, wie man ist, nicht ganz reicht.“
(Stille. Die Musik läuft.)
Easy
„Wenn ein neues Jahr anfängt, passiert ja fast automatisch dasselbe. Man guckt zurück. Und dann nach vorn. Und irgendwo dazwischen entsteht dieser Gedanke: Nächstes Jahr mache ich es besser.“
Professor von Mumpitz
„Besser ist ein gefährliches Wort. Besser für wen? Für den Kalender? Für den inneren Kritiker? Für irgendeine imaginäre Version von sich selbst, die morgens gut gelaunt joggen geht?“
Frau Schmidt
(leise)
„Ich glaube, viele Vorsätze entstehen nicht aus Lust, sondern aus Unzufriedenheit. Aus diesem leisen Gefühl: So kann es doch nicht weitergehen.“
Easy
„Dabei ist das Interessante ja: Die Vorsätze selbst sind meistens gut gemeint. Mehr Bewegung heißt oft: Ich will mich wohler fühlen. Weniger Zucker heißt: Ich will mir etwas Gutes tun. Mehr Ordnung heißt: Ich sehne mich nach Ruhe.“
Professor von Mumpitz
„Und dann verpackt man diese Sehnsucht in Befehle. Ab jetzt immer. Nie wieder. Jeden Tag. Das Gehirn hört zu und denkt sich: Ach nein. Wirklich nicht.“
Frau Schmidt
„Menschen funktionieren nicht gut unter innerem Druck. Auch wenn der Druck von ihnen selbst kommt.“
Easy
„Genau. Unser Kopf kann tolle Pläne machen. Aber unser Alltag hat eigene Regeln. Müdigkeit, Gewohnheiten, Termine, Gefühle. Vorsätze kämpfen oft gegen all das gleichzeitig.“
Professor von Mumpitz
„Ein einzelner Vorsatz gegen das komplette Leben. Ungleiche Kräfteverhältnisse.“
Frau Schmidt
„Und wenn es dann nicht klappt, passiert etwas Gemeines. Man ist nicht enttäuscht vom Vorsatz. Man ist enttäuscht von sich.“
Easy
„Dieses Schuldgefühl ist fast immer dabei. Ich hab’s nicht durchgezogen. Schon wieder nicht. Vielleicht fehlt mir Disziplin. Vielleicht bin ich einfach so.“
Professor von Mumpitz
(hebt warnend den Finger)
„Dabei ist Scheitern in Wahrheit oft nur ein Hinweis. Der Vorsatz passte nicht. Nicht zur Lebensphase, nicht zum Tempo, nicht zur Energie.“
Frau Schmidt
„Veränderung braucht Zeit. Und Sicherheit. Und Wiederholung. Kein Mensch wird anders, nur weil ein neues Jahr anfängt.“
Easy
„Und trotzdem ist dieser 1. Januar so verlockend. Wie ein gedanklicher Reset-Knopf. Als würde jemand sagen: Du darfst nochmal neu anfangen.“
Professor von Mumpitz
„Ein kollektiver Hoffnungstag. Sehr effizient. Emotional zumindest.“
Frau Schmidt
„Vielleicht ist Hoffnung auch der eigentliche Vorsatz.“
(Die Musik läuft weiter.)
Easy
„Dann gibt es ja noch die Menschen, die sagen: Ich mache mir dieses Jahr keine Vorsätze.“
Professor von Mumpitz
(grinst)
„Der rebellische Klassiker.“
Easy
„Spoiler: Auch das ist ein Vorsatz.“
Frau Schmidt
„Einer nach Ruhe. Nach Aufhören mit dem Sich-selbst-Antreiben.“
Professor von Mumpitz
„Ein Anti-Vorsatz mit Tarnkappe. Sehr clever.“
Easy
„Vielleicht geht es gar nicht darum, ob Vorsätze sinnvoll sind oder nicht. Sondern darum, wie hart man mit sich umgeht, wenn man sie hat.“
Frau Schmidt
„Ein Vorsatz kann auch eine Frage sein. Kein Befehl. Was tut mir gut? Was darf leichter werden? Was reicht vielleicht schon?“
Professor von Mumpitz
„Oder: Muss ich überhaupt etwas ändern? Oder reicht es, mich ein bisschen weniger zu kritisieren?“
Easy
„Psychologisch betrachtet ist Zufriedenheit kein Endzustand. Eher etwas, das man zwischendurch besucht. Wie ein warmer Raum. Man bleibt eine Weile. Und geht dann wieder raus ins Leben.“
Frau Schmidt
„Und Freiheit vielleicht auch. Nicht als Ziel, sondern als Gefühl. So wie in diesem Lied. Es will nichts erreichen. Es ist einfach da.“
Professor von Mumpitz
„Das ist eigentlich ein schöner Gedanke fürs neue Jahr. Nicht: Was nehme ich mir vor? Sondern: Was darf bleiben?“
(Stille. Die Musik läuft. Niemand fühlt sich gedrängt, etwas zu sagen.)
✨ Vorsätze dürfen Gedanken sein
✨ Zweifel gehören dazu
✨ Und Zufriedenheit braucht keinen Startschuss
✨ Manchmal reicht es, die eigenen Gedanken einmal anzuschauen
✨ ohne sie gleich verändern zu wollen
✨ und dann einfach weiterzugehen