4. Januar – Das Büro und der richtige Moment

Unten im Haus brannte Licht.

Nicht überall.

Nur im Büro.

Brodie saß an ihrem Laptop.

Ein Tee stand neben ihr, der Bildschirm war offen.

Ihre Finger flogen über die Tastatur, schnell und sicher, so wie sie es immer tat.

Nicht hastig.

Eher konzentriert.

Dieses gleichmäßige Tippen, bei dem man merkt, dass jemand genau weiß, was er tut.

Luna blieb in der Tür stehen.

Mona gleich dahinter.

Sie sagten erst nichts.

Sie schauten nur zu.

„Sie ist gerade mitten drin“, flüsterte Luna.

Mona nickte.

Und dachte genau das, was Luna im nächsten Moment aussprach.

„Wenn sie sowieso gerade schreibt“, sagte Luna leise,

„könnte sie uns vielleicht helfen.“

Mona klopfte vorsichtig an den Türrahmen.

Brodie sah auf.

Lächelte sofort.

„Na ihr zwei“, sagte sie. „Was gibt’s?“

Mona trat einen Schritt näher.

„Wir wollten dich fragen“, sagte sie,

„ob du uns beim Formulieren helfen kannst.“

„Beim Brief“, ergänzte Luna.

Brodie schob den Laptop ein Stück zur Seite.

„Erzählt“, sagte sie.

Während Mona und Luna begannen zu erklären,

drehte Joss im Wohnzimmer die Musik auf.

Nicht leise.

Nicht vorsichtig.

Einfach so, wie hier oft Musik lief.

Bill Joel erklang.

Warm. Ruhig. Ein bisschen laut.

Brodie lächelte kurz.

Dann hörte sie weiter zu.

Ohne zu unterbrechen.

Ganz.

Mona erzählte vom Brief.

Von den vielen Anfängen.

Von den durchgestrichenen Sätzen.

Und davon, dass sie nicht wussten, wie sie fragen sollten, ohne etwas zu verlangen.

Als Mona fertig war, stellte Brodie die Teetasse ab.

„Dann sage ich euch etwas Ehrliches“, sagte sie ruhig.

„Ihr braucht da gar nicht weiterzuschreiben.“

Mona hielt kurz die Luft an.

Luna auch.

„Nic hat schon durchblicken lassen, dass das mit dem Einziehen dort nicht funktionieren wird“, sagte Brodie.

„Allergien. Milben. Und ehrlich gesagt …“

Sie sah Mona an und schmunzelte.

„Eine Milbe haben wir ja schon im Haus.“

Mona wurde warm ums Herz.

Luna auch.

Brodie lehnte sich ein Stück zurück.

„Und ihr hört ja selbst“, sagte sie und deutete Richtung Wohnzimmer.

„Hier läuft sowieso regelmäßig Musik.

Gern. Und auch mal lauter.“

Aus dem Wohnzimmer kam der nächste Song.

„Joss hört das gern“, fuhr Brodie fort.

„Und ich auch.

Und wenn jemand tanzen möchte, dann ist das hier nichts Ungewöhnliches.“

Luna grinste.

„Das klingt sehr nach mir.“

„Eben“, sagte Brodie.

„Und hier ist Platz.

In der kleinsten Hütte sowieso.

Zu essen ist immer genug da.

Und wenn Mona kein Problem damit hat,

kannst du gern hierbleiben.“

Mona sah Luna an.

Luna sah Mona an.

Beide nickten.

„Gästezimmer ist tabu“, sagte Brodie und hob den Finger.

„Außer für Besprechungen.

Und danach wird aufgeräumt.“

„Das kennen wir“, sagte Luna schnell.

„Der Professor von Mumpitz saugt.

Frau Schmidt auch.

Und Britni manchmal.“

Brodie lachte.

„Dann passt das ja.“

Der Brief war plötzlich kein Muss mehr.

Nur noch ein Gedanke, der sich von selbst sortiert hatte.

Und während im Büro später wieder getippt wurde

und im Wohnzimmer Musik lief,

fühlte sich alles genau richtig an.

✨ Mit Gefühl

✨ Mona & Luna