3. Januar – Die vielen Anfänge

Am Abend des 3. Januar war es ruhig im Haus.

Nicht dieses große, feierliche Ruhig, sondern das kleine.

Das, das sich einstellt, wenn ein Tag genug war.

Bevor Mona und Luna überhaupt am Tisch sitzen konnten, mussten sie erst einmal improvisieren.

Der Stuhl war viel zu niedrig. Also stapelten sie Kissen.

Eins. Zwei. Drei. Noch eins.

„Jetzt bloß nicht wackeln“, sagte Luna und hielt sich fest.

Mona nickte. „Und nachher müssen wir alles wieder aufräumen.“

Beide taten so, als hätten sie das nicht gehört.

Dann saßen sie endlich richtig.

Erhöht genug, um an den Tisch zu kommen.

Mona mit einem Blatt Papier vor sich,

Luna dicht daneben, den kleinen Zopf ein wenig schief.

„Du hast wieder dieses Gesicht“, sagte Luna.

„Welches?“

„Das, bei dem du eigentlich sagst, man muss Anfang Januar noch nichts klären“, sagte Luna.

„Und gleichzeitig schon mal schauen willst, wie sich etwas anfühlen würde.“

Mona seufzte leise.

„Ich will ja nichts entscheiden“, sagte sie. „Nur… anfangen.“

Sie nahm den Stift.

Hallo Nic,

Sie hielt inne.

Las es noch einmal.

Schüttelte den Kopf.

„Das ist zu locker“, murmelte sie. „Oder zu wenig. Ich weiß nicht.“

Sie zog eine Linie durch den Satz.

Liebe Nic,

„Nee“, sagte sie gleich. „CJ fehlt.“

Luna beugte sich vor.

„Ich gehöre ja auch nicht nur halb“, sagte sie trocken.

Mona lächelte kurz und schrieb weiter.

Liebe Nic, lieber CJ,

Das ließ sie stehen. Für einen Moment.

Dann schrieb sie:

wir haben da einen Gedanken

Sie lehnte sich zurück.

„Klingt komisch“, sagte sie. „So schwammig.“

Luna rutschte auf den Kissen ein Stück hin und her.

„Gedanken sind manchmal schwammig.“

„Ja“, sagte Mona. „Aber das hier klingt nach nichts.“

Sie strich auch diesen Satz durch.

Das Papier bekam Falten.

Ein Zettel landete zerknüllt neben dem Tisch.

Dann noch einer.

Ein neuer Versuch.

wir wollten euch mal fragen

Mona verzog schon beim Schreiben das Gesicht.

„Nee. Das klingt, als würden wir gleich etwas Großes verlangen.“

Wieder ein Strich.

Noch ein zerknüllter Zettel.

Dann vorsichtiger:

wir wollten euch mal etwas fragen…

Sie las es laut.

Schüttelte den Kopf.

„Immer noch blöd“, sagte sie. „Zu schwer. Zu direkt.“

Der Tisch füllte sich langsam mit zerknüllten Papierkügelchen.

Kleine Beweise dafür, dass Gedanken nicht immer geradeaus gehen.

Luna setzte sich aufrechter hin.

„Vielleicht muss da gar nichts Richtiges stehen“, sagte sie leise.

„Vielleicht reicht es, dass wir es probieren.“

Mona schrieb wieder.

manchmal entstehen Gedanken ganz leise

Sie hielt inne.

Lächelte.

Und strich auch das durch.

„Jetzt werde ich poetisch“, sagte sie. „Das hilft auch nicht.“

Sie legte den Stift kurz weg.

Sah aus dem Fenster.

Der Schnee lag noch. Still. Geduldig.

Dann nahm sie den Stift noch einmal.

Liebe Nic, lieber CJ,

wir haben da etwas, das wir euch gern erzählen würden

Sie ließ den Satz stehen.

Diesmal länger.

„Das ist näher dran“, sagte Mona.

„Aber ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.“

Luna nickte.

„Man muss nicht alles alleine können.“

Mona sah sie an.

Dann auf das Blatt.

Dann wieder zu Luna.

„Vielleicht“, sagte sie langsam,

„fragen wir Brodie einfach, ob sie uns beim Formulieren hilft.“

Luna grinste.

„Das ist eine sehr erwachsene Idee.“

Mona lachte leise.

„Oder eine sehr vorsichtige.“

Sie legten das Blatt beiseite.

Nicht in den Müll.

Nicht ordentlich weg.

Einfach zur Seite.

Der Brief war noch keiner.

Aber er war auch nicht mehr nur ein Gedanke.

Und jetzt, stellten sie fest,

müssen sie eigentlich noch die ganzen Kissen vom Stuhl räumen

und all die zerknüllten Zettel einsammeln.

Aber das

ist eine Aufgabe

für später.

✨ Mit Gefühl

✨ Mona & Luna