29. März – Die Sache mit der Zeit

Es war Sonntagmorgen.

29. März. Kurz nach neun.

Brodie blinzelte ins Licht, drehte sich ein wenig zur Seite und sah Joss an.

„Sag mal…“, murmelte sie noch etwas verschlafen,

„war das heute Nacht irgendwie… komisch?“

Joss zog die Augenbrauen leicht zusammen.

„Komisch?“

„Na ja… ich dachte, ich hätte irgendwas gehört. So ein Klingeln vielleicht.“

Joss schüttelte den Kopf.

„Nö. Ich hab geschlafen wie ein Stein.“

Brodie setzte sich ein Stück auf.

„Hm…“

Sie griff sich ans Ohr.

Zog ein kleines, zusammengedrücktes Stück hervor.

„Ich hatte heute Morgen OHROPAX im Ohr.“

Joss drehte sich jetzt ganz zu ihr.

„Was?“

„Ja“, sagte Brodie und musste selbst ein bisschen lachen.

„Und ich hab sie mir ganz sicher nicht selbst reingemacht.“

Joss grinste.

„Ich hatte keine drin.“

Brodie sah ihn an.

„Eben.“

Ein kurzer Moment.

Dann beide gleichzeitig ein kleines Lächeln.

„Irgendwas war da…“, sagte Brodie leise.

In der Nacht zuvor

hatten Mona und Luna nämlich eine Idee gehabt.

Keine große.

Keine laute.

Aber eine, die sich richtig anfühlte.

„Die Uhren…“, hatte Luna gesagt,

„die stellen sich doch meistens von allein um, oder?“

Mona nickte.

„Die meisten.“

Ein kurzer Blick zueinander.

„Aber der Wecker…“, sagte Luna dann.

Mona sah sie an.

Und beide wussten sofort, welchen sie meinten.

Den alten Wecker im Gästezimmer.

Der, der so schön klackte.

Und eben… nicht von allein mitdachte.

„Wenn den keiner umstellt…“, sagte Mona langsam,

„dann klingelt der morgen zur falschen Zeit.“

Luna nickte.

„Dann machen wir das eben.“

Der Weg nach oben war…

sagen wir mal… ambitioniert.

Stufe für Stufe.

Mit kleinen Pausen.

Ein bisschen Ziehen.

Ein bisschen „warte mal“.

„Das ist ja wie eine Weltreise“, murmelte Luna.

Mona grinste.

„Nur ohne Koffer.“

Als sie endlich oben ankamen,

war alles still.

Perfekt.

Der Wecker stand da.

Ganz ruhig.

Ganz unschuldig.

Mona streckte sich.

Luna hielt sich fest.

„Ganz vorsichtig“, flüsterte Mona.

Ein kleines Drehen.

Ein leises Klicken.

Und dann…

RIIIIIIING!

Beide erstarrten.

„Warum klingelt der?!“ flüsterte Luna panisch.

Mona riss die Augen auf.

„Ich glaube… der war auf kurz nach zwei gestellt.“

„OH NEIN.“

Und dann ging alles sehr schnell.

Luna schnappte sich im Gästezimmer die OHROPAX.

Viel zu groß für ihre kleinen Arme.

Und rannte los.

Direkt ins Schlafzimmer.

Mona kämpfte währenddessen mit dem Wecker.

„Jetzt hör doch auf!“, flüsterte sie und drückte verzweifelt auf alles, was nach „Aus“ aussah.

Im Schlafzimmer

kletterte Luna vorsichtig aufs Bett.

Zu Brodie.

Ein OHROPAX links.

Eins rechts.

Dann sah sie zu Joss.

Zögerte kurz.

„Du schläfst eh tief“, murmelte sie leise.

Und ließ es dabei.

Wenig später

war der Wecker endlich still.

Mona blieb noch einen Moment stehen,

atmete durch

und sah sich kurz um.

Dann kam sie zu Luna.

Ein bisschen außer Atem.

Ein bisschen zerzaust.

Beide sahen sich an.

Und dann mussten sie lachen.

Ganz leise.

Aber so richtig.

„Das war…“, begann Luna.

„…keine gute Planung“, sagte Mona.

„Aber der Wecker stimmt jetzt.“

Mona nickte.

Ein Blick zum Bett.

Alles ruhig.

Am nächsten Morgen

blieb ein kleines Rätsel zurück.

Und eine richtige Uhrzeit.

Und irgendwo im Haus

standen zwei kleine Milben

und waren ziemlich zufrieden mit sich.

✨ Mit Gefühl

✨ Mona & Luna