Luna Milbe und die Tage auf dem Sofa

Ein paar Tage war Luna jetzt schon da.

Nicht für immer. Erst mal nur so.

Ein bisschen unterkommen, ein bisschen ankommen, ein bisschen schauen, wie sich alles anfühlt.

Brodie war gerade viel zu Hause. Leiser als sonst.

Ihr Körper brauchte Ruhe, und sie selbst auch.

Manchmal hörte man sie oben im Gästezimmer, wie sie sich drehte, manchmal war es ganz still.

Dann wusste Mona, dass Brodie schlief. So richtig. Mit diesem Schlaf, der nicht nur müde macht, sondern heilt.

Joss hatte Urlaub.

Und wenn Joss Urlaub hatte, dann hatte das Wohnzimmer Musik.

Keine laute Musik.

Keine Tanzmusik.

Sondern diese ruhigen Lieder, die wie warme Decken klangen.

Katie Melua lief fast den ganzen Tag.

Luna hatte zuerst die Stirn gerunzelt.

„Dazu kann man gar nicht richtig tanzen“, hatte sie geflüstert und ein bisschen mit dem Fuß gewippt, als würde sie prüfen, ob der Boden vielleicht doch Lust bekam.

Mona hatte nur gelächelt.

„Nicht jede Musik will tanzen“, hatte sie gesagt. „Manche will einfach nur da sein.“

Also setzte sich Luna dazu.

Erst zappelig. Dann ruhiger.

Und irgendwann ganz still.

Joss lag auf dem Sofa.

Eine Decke halb über den Beinen, eine zweite zusammengefaltet daneben.

Er war eingeschlafen, wie er das immer tat, wenn die Musik leise wurde und die Gedanken langsamer.

Dann fing er an zu schnorcheln.

Nicht laut.

Mehr so ein kleines Brummen.

Fast wie ein schlafender Bär, der vergessen hatte, dass er kein Bär war.

Mona stupste Luna an.

Luna kicherte.

Ganz vorsichtig krochen sie näher.

Nicht unter die Decke, die Joss über den Beinen hatte.

Sondern unter die andere. Die mit den weichen Falten.

Da war es warm.

Nicht zu warm.

Genau richtig.

Die Musik lief weiter.

Katie Melua sang von leichten Dingen. Von Vögeln. Von dem Gefühl, nicht festgehalten zu werden.

Luna begann leise mitzusingen.

Nicht richtig. Mehr so summend.

Ein paar Worte, ein paar Töne, die gar nicht genau stimmen mussten.

Mona stimmte mit ein.

Ganz vorsichtig.

Wie zwei Stimmen, die sich nicht in den Vordergrund drängen wollten.

Joss bewegte sich.

Er brummte etwas Unverständliches.

Dann hob er leicht den Kopf.

„Brodie?“, murmelte er verschlafen.

Oben im Gästezimmer war es still.

Mona und Luna hielten den Atem an.

Dann kicherten sie wieder, dieses leise Kichern, das nur entsteht, wenn man weiß, dass man gerade genau richtig ist.

Joss ließ den Kopf wieder sinken.

„Komisch“, murmelte er. „Ich dachte, ich hör jemanden mitsingen.“

Die Musik lief weiter.

Die Decke wackelte ganz leicht.

Und Luna dachte, dass Melancholie vielleicht gar nichts Trauriges ist, sondern nur ein anderes Tempo.

Später, als Brodie kurz die Treppe herunterkam, um sich einen Tee zu machen, sah sie die beiden Milben unter der Decke liegen.

Sie sagte nichts.

Sie lächelte nur.

Und Joss schnorchelte weiter, während irgendwo zwischen Sofa, Musik und leisem Mitsingen das Gefühl entstand, dass Luna vielleicht genau hier richtig war.

Zumindest für jetzt.

Und jetzt reichte erst mal.