Besuch am Drielaker See

Mona und Luna hatten schon lange davon gehört.

Von dieser großen Runde, die Brodie und Joss manchmal gehen.

Wenn sie Lust haben.

Wenn das Wetter passt.

Wenn der Kopf frei genug ist.

Vom See aus, am Wasser entlang, dann weiter am großen Möbelhaus vorbei, dort, wo die Lastwagen stehen und die Wege plötzlich breiter werden. Danach wieder schmaler. Irgendwann grüner. Und irgendwann ist man im Stadtwald.

„Das klingt nach ziemlich viel Laufen“, sagte Luna und zog die Mütze tiefer ins Gesicht.

„Für Milben eindeutig zu viel“, sagte Mona.

Also taten sie das, was Milben in solchen Fällen tun.

Sie fragten nach Hilfe.

Die beiden Enten vom Graben waren sofort dabei. Ein Paar, wie aus dem Bilderbuch. Ruhig, freundlich, mit dieser Art von Gelassenheit, die nur Tiere haben, die sich nicht stressen lassen.

„Wir nehmen euch mit“, schnatterten sie.

„Erst zum See. Danach weiter.“

Und so saßen Mona und Luna wenig später auf Entenrücken. Warm eingepackt, gut festhaltend, ein bisschen aufgeregt.

Der Drielaker See lag ruhig da, fast glatt. Das Ufer war hell, das Gras leicht gefroren. Bäume und Gebüsche standen dicht beieinander, als hätten sie sich zusammengetan, um den Wind aufzuhalten.

Die Enten landeten am Wasser.

Ganz sanft.

Mona hüpfte als Erste herunter und steuerte direkt die Beinebaumelbank an.

Sie setzte sich, ließ die Füße baumeln und lächelte.

Manchmal muss man gar nichts machen, um genau richtig zu sein.

Luna war währenddessen schon unterwegs.

Ein paar Schritte weiter entdeckte sie die Schaukel, die zwischen Bäumen und Gebüsch hing.

„Mona! Die ist ja perfekt!“

Mona kam dazu, hielt kurz das Seil fest, schob Luna an und beobachtete, wie sie lachte. Dieses freie, kleine Lachen, das immer ein bisschen nach Tanz aussieht.

„Hier könnte man bleiben“, sagte Luna.

„Man könnte“, sagte Mona. „Aber wir wollten ja gucken.“

Also guckten sie.

Auf den See.

Auf die Vögel.

Auf das Wasser.

Und auf sich selbst, wie sie gerade waren.

Dann kamen die Enten wieder.

„Wollt ihr weiter?“

Sie wollten.

Der Stadtwald war anders. Leiser. Dicker. Der Boden weicher. Die Bäume näher. Hier hing ein Spinnennetz zwischen zwei Ästen, fein und mit Frost überzogen.

Luna blieb stehen.

„Wie machen die das eigentlich?“

Mona sah sich das Netz an.

„Geduld. Und dranbleiben. Und wissen, wann man wartet.“

Luna nickte ernst und beugte sich ein kleines Stück näher heran.

„Klingt anstrengend.“

Ein paar Schritte weiter lag eine kleine gefrorene Pfütze. Nicht groß. Aber klar.

Mona und Luna beugten sich darüber.

Da waren sie.

Ein bisschen anders.

Ein bisschen verzerrt.

Aber eindeutig sie.

Luna winkte ihrem Spiegelbild.

Das Spiegelbild winkte zurück.

„Ich mag mich so“, sagte sie.

„Ich auch“, sagte Mona.

Sie gingen weiter. Redeten über Spinnen. Über Wärme. Über das Tanzen. Und darüber, dass man nicht alles sofort wissen muss.

Die Enten warteten geduldig.

„Wir bringen euch später wieder zurück“, sagten sie.

„Kein Problem.“

Als es Zeit war zu gehen, fühlte sich alles rund an.

Nicht groß.

Nicht spektakulär.

Aber genau richtig.

Und irgendwo zwischen See, Gebüsch und Stadtwald wussten Mona und Luna:

Manchmal reicht ein Tag, an dem man guckt, lacht und ein bisschen was lernt.

✨ Mit Gefühl

✨ Mona & Luna