📅 Mittwoch, 12. August 2026
Von Maryport über Glasgow nach West Linton
📍 Maryport → Hamilton West → Glasgow → West Linton
Unser letzter Morgen in Maryport begann noch einmal genau so, wie wir diesen kleinen Ort in Erinnerung behalten werden: ruhig, unaufgeregt und ganz nah am Wasser.
Bevor wir unseren Schlüssel abgaben, gingen wir noch einmal am Hafen entlang. Möwen kreisten über uns und ließen lautstark wissen, dass dies eindeutig ihr Revier ist. Im Hafen selbst lag diese angenehme Ruhe, die wir hier in den vergangenen Tagen immer wieder gespürt hatten. Maryport ist sicher kein Ort für Menschen, die jeden Abend Trubel und großes Nachtleben brauchen. Aber genau darin liegt für uns sein Charme.
Wir hatten sehr zentral gewohnt und waren trotzdem in wenigen Minuten am Hafen oder am Strand. Abends einfach noch einmal ans Wasser laufen, ein bisschen aufs Meer schauen oder bei Ebbe über die weite freigelegte Küste blicken, das hat uns richtig gut gefallen. Und erstaunlicherweise erwischten wir das Meer gefühlt sowieso grundsätzlich bei Ebbe. Offenbar haben wir dafür inzwischen ein besonderes Talent. 😄
Überhaupt sind uns in Maryport immer wieder diese kleinen persönlichen Dinge aufgefallen, die einen Ort sympathisch machen. Dazu gehören auch die individuell gestalteten Bänke, die Menschen gewidmet sind, die hier gelebt haben. An diesem Morgen entdeckten wir noch eine besonders schöne Bank für Harold und Mavis Graham. Auf der kleinen Gedenktafel stehen einige sehr berührende Zeilen darüber, dass dieselben Sterne und derselbe Himmel Menschen miteinander verbinden, selbst wenn sie voneinander getrennt sind. Kein großes Denkmal, kein Pathos. Einfach eine Bank am Meer und ein paar liebevolle Worte. Genau solche Dinge bleiben hängen.
☕ Ein letzter Besuch bei Her Citi
Nach unserem Spaziergang ging es zur Schlüsselübergabe zu Her Citi. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Abschied werden, daraus wurde aber noch ein kleines gemeinsames Frühstück im gemütlichen Hinterhof.
Jens bekam einen Bacon Roll und ich eine Wurst im Brötchen mit Zwiebelmarmelade. Und bei Zwiebelmarmelade zur Wurst war mein erster Gedanke ungefähr: Na, ob das sein muss?
Ja. Muss es. 😂
Das war nämlich unglaublich lecker. Herzhaft, leicht süßlich und zusammen mit der Wurst einfach richtig gut. Eine dieser Kombinationen, bei denen man vorher skeptisch guckt und hinterher überlegt, warum man das eigentlich noch nie gegessen hat.
Unsere Gastgeberin wollte uns sogar einladen. Das war wahnsinnig lieb gemeint, aber das wollten wir nun wirklich nicht annehmen und bezahlten unser Frühstück natürlich selbst.
Damit hieß es endgültig Abschied nehmen von Maryport. Und wir fuhren mit einem richtig guten Gefühl weiter.
🏴 Und dann: Willkommen in Schottland
Unsere Reise führte zunächst über Carlisle Richtung Norden. Irgendwann stand es dann plötzlich am Straßenrand:
Welcome to Scotland.
So ein Verkehrsschild ist eigentlich nichts Spektakuläres. Aber wenn man schon viele Tage durch Großbritannien unterwegs ist und weiß, dass nun ein neuer Teil der Reise beginnt, fühlt es sich trotzdem ein bisschen besonders an.
Schottland. Da waren wir also. ❤️
Unser Ziel für den Nachmittag war allerdings noch nicht West Linton, sondern erst einmal Glasgow.
Wir fuhren nach Hamilton West, stellten dort das Auto ab und wechselten auf den Zug. Von Hamilton West gibt es direkte ScotRail Verbindungen nach Glasgow Central.
Das klappte problemlos und war genau die richtige Entscheidung. In Glasgow selbst wollten wir das Auto nämlich definitiv nicht brauchen.
🏙️ Glasgow, Liebe auf den zweiten Blick
Als wir aus Glasgow Central kamen, waren Jens und ich uns zunächst erstaunlich uneinig.
Jens fand Glasgow sofort toll.
Ich eher nicht. 😄
Mich hat die Stadt anfangs nicht richtig gepackt. Vielleicht waren es die vielen Baustellen, vielleicht die ersten Straßenzüge oder einfach mein persönlicher Eindruck an diesem Moment. Ich fand es zunächst eher grau und ziemlich wuselig.
Aber Glasgow war noch lange nicht fertig mit mir.
Wir liefen zunächst einfach durch die Innenstadt. Und je genauer man hinschaut, desto mehr merkt man, wie viele prächtige ältere Gebäude zwischen den modernen Fassaden stehen. Sandstein, Türme, Erker, Säulen und unglaublich viele architektonische Details. Man kann hier ständig nach oben schauen und entdeckt immer wieder etwas Neues.
Eine besonders schöne Überraschung war die Argyll Arcade. Schon der Eingang wirkt, als würde man in eine andere Zeit laufen. Die überdachte Passage stammt tatsächlich aus dem Jahr 1827 und beherbergt heute vor allem Juweliere und Diamantenhändler. Mehr als 30 davon sitzen dort.
Wir gingen natürlich hinein.
Und kaum betraten wir die Galerie, sagte Jens zu mir:
„Schatz, such dir bitte nichts aus.“
😂😂😂
Ein durchaus berechtigter Hinweis.
Links und rechts funkelten Ringe, Uhren, Diamanten und Schmuckstücke aus den Schaufenstern. Bei einem Geschäft blieben wir ein wenig länger stehen und tatsächlich kam ein Mitarbeiter heraus, sprach uns freundlich an und erzählte, dass sie gerade erst neu eröffnet hätten. Wenn wir irgendwelche Fragen hätten, sollten wir einfach Bescheid sagen.
Wir nickten freundlich.
Und ich dachte nur: Ei, ei, ei.
Wir beließen es beim Anschauen. Das war für die Urlaubskasse vermutlich die vernünftigste Entscheidung dieses Tages. 😄
🚧 George Square, leider hauptsächlich Baustelle
Natürlich wollten wir auch zum George Square, einem der bekanntesten Plätze Glasgows.
Und dann standen wir davor.
Absperrungen. Bauzäune. Baustelle.
Das war wirklich schade. Gerade wenn man wahrscheinlich nicht so schnell wiederkommt, möchte man so einen zentralen Platz natürlich gerne richtig sehen. Andererseits wird dort tatsächlich umfangreich umgebaut. Der George Square befindet sich 2026 mitten in einer größeren Neugestaltung, und auch im August bestanden noch Straßensperrungen und Bauarbeiten.
Also: schön für Glasgow in Zukunft, ein bisschen Pech für uns jetzt.
Immerhin konnten wir schon erahnen, wie der Platz später einmal aussehen soll.
🎶 Und plötzlich Dudelsäcke
Dafür schenkte uns Glasgow an anderer Stelle etwas, das wir überhaupt nicht geplant hatten.
Mitten in der Stadt standen plötzlich Musiker in Kilts, Dudelsäcke wurden ausgepackt, Trommeln erklangen und wir konnten eine richtige Livevorführung erleben.
Und das war tatsächlich kein zufälliger Dudelsacktag, sondern wir waren mitten in Piping Live! 2026 geraten. Das große Glasgower Dudelsackfestival fand in diesem Jahr vom 9. bis 14. August statt. Wir waren also ausgerechnet am 12. August genau mittendrin.
Schottischer kann ein ungeplanter Moment eigentlich kaum werden.
Da steht man zum ersten Mal in Glasgow und plötzlich spielt vor einem eine ganze Gruppe in Kilts mit Dudelsäcken und Trommeln. Das nimmt man natürlich mit. 😊
☕ Kurze Pause, dann weiter
Zwischendurch brauchten wir irgendwann eine Pause. Wir waren inzwischen ziemlich viel gelaufen und machten es uns bei Caffè Nero gemütlich.
Kaffee, etwas Süßes und kurz die Beine ausruhen.
Danach stand noch ein kleiner Auftrag auf dem Programm: Jens wollte unbedingt einen Fanshop der Glasgow Rangers besuchen und dort nach einer Cap schauen.
Nur hatte der Laden ausgerechnet keine passenden Caps.
Also wieder raus. 😂
Damit war der Rangers Einkauf schneller beendet als gedacht.
🚇 Mit der Subway Richtung Kelvingrove
Nun wollten wir zu dem Ort, der meinen Eindruck von Glasgow endgültig verändern sollte.
Wir nahmen die berühmte kleine Glasgower Subway Richtung West End und liefen von dort zur Kelvingrove Art Gallery and Museum.
Schon auf dem Weg veränderte sich die Stadt. Mehr Grün, andere Architektur, herrschaftliche Gebäude und dann plötzlich dieser Blick über den Kelvingrove Park auf die Türme der Universität.
Und da war bei mir zum ersten Mal dieses:
Okay. Jetzt verstehe ich Glasgow.
🏛️ Kelvingrove Art Gallery and Museum
Für das Museum hatten wir leider nicht mehr wahnsinnig viel Zeit. Bis zur Schließung blieb ungefähr eine Stunde.
Aber diese Stunde reichte völlig aus, um uns zu beeindrucken.
Schon das Gebäude selbst ist gewaltig. Große Hallen, Bögen, Säulen, verzierte Decken, riesige Leuchten und dazwischen Ausstellungsstücke, bei denen man manchmal gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll.
Da hängen Flugzeuge über einem, Elefanten stehen im Saal, Tiere aus unterschiedlichsten Erdteilen sind zu sehen, daneben ägyptische Stücke, Kunst, Geschichte und Naturkunde. Und mittendrin diese riesige Orgel.
Besonders eindrucksvoll fanden wir auch die schwebende Installation aus vielen einzelnen Köpfen. Man läuft darunter und entdeckt ständig andere Gesichter und Gesichtsausdrücke.
Kelvingrove ist eben nicht einfach nur Kunstgalerie und auch nicht einfach nur naturkundliches Museum. Die Sammlungen verbinden Kunst, Naturgeschichte, Archäologie und viele andere Themen.
Und etwas fanden wir besonders großartig:
Der Eintritt ist kostenlos.
Kelvingrove gehört zu den kostenlosen Museen Glasgows.
Das gefällt mir an Großbritannien immer mehr. Kultur und Geschichte werden an vielen Orten so zugänglich gemacht, dass ein Museumsbesuch nicht zuerst vom Geldbeutel abhängt. Familien, junge Menschen, ältere Menschen und Besucher mit ganz unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten können einfach hineingehen, schauen, lernen und entdecken.
Ich finde das richtig gut.
Nach unserer knappen Stunde mussten wir uns schon fast losreißen. Hier hätte man ohne Weiteres viel länger bleiben können.
Und dann kam der Teil des Tages, bei dem Glasgow mich endgültig hatte.
🧙 Hogwarts lässt grüßen
Schon auf dem Weg zum Museum war uns dieses riesige Gebäude auf dem Hügel aufgefallen.
Die University of Glasgow.
Also liefen wir anschließend hinauf auf den Campus.
Und spätestens dort war mein anfängliches „Glasgow ist irgendwie nicht meins“ erledigt.
Das Hauptgebäude der Universität mit seinen Türmen, Spitzbögen und Innenhöfen sieht aus, als hätte irgendjemand Hogwarts einfach nach Schottland gestellt. Tatsächlich stammt das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert und wurde im neugotischen Stil von George Gilbert Scott entworfen.
Wir gingen durch die Innenhöfe und dann durch die berühmten Cloisters.
Was für ein Ort.
Steinerne Säulen tragen unzählige Gewölberippen, dahinter öffnen sich immer neue Bögen und Durchgänge. Durch die schmalen Öffnungen blickt man wieder auf Innenhöfe, Rasenflächen und die umliegenden Gebäude.
Man erwartet eigentlich nur noch, dass gleich jemand mit einem Zauberstab um die Ecke kommt.
Und wir waren begeistert.
⛪ Ein ungeplanter Moment in der University Chapel
Dann entdeckten wir auch noch die University Memorial Chapel und gingen hinein.
Innen wurde es plötzlich ganz still.
Dunkles Holz, hohe Spitzbögen, kunstvolle Details und riesige farbige Glasfenster. Das Licht fiel bunt durch die Fenster und machte den Raum noch schöner.
Und dann passierte etwas, das man nicht planen kann.
Zwei junge Frauen begannen zu singen.
Wir haben sie bewusst nicht gefilmt. Aber während ich die Chapel filmte, nahm die Kamera ihren Gesang mit auf.
Und plötzlich standen wir einfach da und hörten zu.
Keine gebuchte Führung. Keine geplante Vorführung. Einfach zwei Stimmen in dieser wunderschönen alten Chapel.
Solche Momente gehören für mich zu den schönsten auf Reisen. Man kann sie nicht reservieren und man kann sie nicht erzwingen. Man ist einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
🚇 Zurück durch Glasgow
Irgendwann mussten wir uns tatsächlich losreißen, denn wir hatten noch ein gutes Stück Fahrt vor uns.
Wir fuhren wieder mit der Subway zurück und mussten anschließend zu unserem Zug nach Hamilton West.
Unsere vorhandenen Tickets passten dabei nicht ganz zu unserer tatsächlichen Route. Und wieder erlebten wir etwas, das uns auf dieser Reise schon öfter aufgefallen ist: Statt daraus ein großes Problem zu machen, erklärte man uns freundlich, was wir noch bezahlen mussten, rechnete die Differenz aus und fertig.
Unkompliziert.
Überhaupt haben wir die Menschen hier bisher als unglaublich hilfsbereit erlebt. Wenn wir etwas nicht verstehen oder nach dem Weg fragen, wird erklärt, gezeigt und notfalls noch einmal anders erklärt.
Das macht Reisen wirklich angenehm.
Mit ScotRail ging es schließlich wieder nach Hamilton West und zurück zu unserem Auto.
Und Glasgow?
Jens fand die Stadt vom ersten Moment an toll.
Ich brauchte ein bisschen länger.
Aber Glasgow hat mich am Ende doch erwischt. Mit Kelvingrove, mit der Universität, den Cloisters und diesem zufälligen Gesang in der Chapel.
Manchmal muss eine Stadt eben ein bisschen um einen werben. 😉
🚗 Von Hamilton West nach West Linton
Nun ging es weiter Richtung West Linton, wo wir für die nächsten beiden Nächte bleiben würden.
Und kaum hatten wir den Großraum Glasgow hinter uns gelassen, begann wieder dieses Großbritannien, das wir auf dieser Reise so lieben gelernt haben.
Die Landschaft wurde weiter.
Grüne Felder zogen sich über sanfte Hügel. Dazwischen lagen braune und goldene Flächen, Steinmauern teilten die Landschaft und immer wieder standen einzelne Bäume wie gemalt am Horizont.
Und natürlich:
Schafe.
Sehr viele Schafe. 😄
Irgendwann mussten wir sogar anhalten, weil vor uns eine ganze Rinderherde über die Straße getrieben wurde.
Kein Stau wegen Baustelle.
Keine Ampel.
Keine Unfallstelle.
Einfach Kühe. 🐄😂
Die Tiere liefen gemächlich von einer Weide zur anderen, während wir Autofahrer warteten. Niemand drängelte, niemand konnte sowieso etwas daran ändern und eigentlich wollte man auch gar nicht, dass es schneller geht.
Es gehörte einfach perfekt zu dieser Fahrt.
Und je länger wir unterwegs waren, desto mehr hatte ich wieder die Kamera in der Hand. Der Himmel war riesig, darunter diese Felder, Hügel und vereinzelten Farmen. Das Licht wechselte ständig zwischen Sonne und Wolken und ließ manche Flächen hell aufleuchten, während andere fast dunkel wirkten.
Diese Landschaft hat etwas unglaublich Beruhigendes.
Man fährt hindurch und merkt irgendwann, dass man gar kein bestimmtes Ziel am Straßenrand braucht. Die Fahrt selbst ist längst ein Teil des Tages geworden.
🏨 Angekommen in West Linton
Am Abend erreichten wir schließlich West Linton und unser Hotel.
Unten befindet sich ein Pub mit Restaurant, und schon beim Reinkommen wurden wir freundlich empfangen. Erst einmal ankommen, kurz sitzen, etwas trinken und dann einchecken.
Für den nächsten Abend reservierten wir direkt einen Tisch im Restaurant.
Heute aber war Schluss.
Maryport am Meer am Morgen, Frühstück bei Her Citi, die Fahrt nach Schottland, Glasgow, Dudelsäcke, Schmuck und Diamanten, Kelvingrove, Hogwarts Gefühl an der Universität, Gesang in der Chapel und zum Abschluss eine Fahrt durch die schottische Landschaft inklusive Kuhherde auf der Straße.
Ein ziemlich voller Tag.
Und einer, bei dem sich mein Urteil über Glasgow innerhalb weniger Stunden einmal komplett gedreht hat.
⭐ Fazit des Tages:
Maryport hat uns mit seiner Ruhe verabschiedet. Glasgow musste mich erst überzeugen, hat es dann aber gründlich geschafft. Und die Fahrt nach West Linton war wieder genau diese Mischung aus Landschaft, Tieren und kleinen ungeplanten Momenten, wegen der wir diese Reise inzwischen so sehr mögen.
Und ja, Glasgow: Am Ende hast du mich doch gekriegt. ❤️