08.10. · Schirm mit Wellness

Kurti Knut von Schwartau berichtet ☃️

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Tag 3: Ein Regenschirm mit Wellnessprogramm

Moin.

Dritter Tag meiner Reha. Ich möchte zunächst festhalten, dass ich weiterhin keinen Therapieplan besitze. Dafür habe ich inzwischen einen festen Platz im Nackenhörnchen. Man muss nehmen, was man kriegen kann.

Heute Morgen regnete es. Britta war darüber nicht besonders begeistert, konnte dafür aber endlich ihren neuen Regenschirm ausprobieren. Schwarz mit bunten Streifen. Ein ausgesprochen schickes Modell, wie ich zugeben muss.

Nach seiner Rückkehr wurde der Schirm zum Trocknen in die Dusche gestellt.

Aha.

Der Regenschirm darf raus, bekommt frische Luft und anschließend einen eigenen Wellnessbereich. Ich sitze im Nackenhörnchen. Seit drei Tagen. Ich möchte das nicht überbewerten, aber die Verteilung der Freizeitangebote erscheint mir zunehmend fragwürdig.

Britta hatte heute jedenfalls einen ziemlich vollen Tag. Zuerst ging es zum Gesundheitstraining. Ein bisschen Ergometer, verschiedene Gleichgewichtsübungen und Training am Seilzug.

Als sie mir davon erzählte, war ich beeindruckt. Besonders von einer Übung mit einer wassergefüllten Röhre.

Ich persönlich hätte das Wasser lieber gefroren. Aber mich fragt hier ja niemand.

Anschließend ging es in eine Ernährungsgruppe. Dort wurde unter anderem über Zucker gesprochen. Auch darüber, dass Datteln zwar natürlich süß sind, aber trotzdem Zucker enthalten.

Eine durchaus vernünftige Information.

Ich sehe das trotzdem kritisch.

Seit meiner Ankunft habe ich kulinarisch wenig zu lachen. Und jetzt steht auch noch meine einzige Dattel unter Beobachtung!

Ich möchte betonen, dass ich bislang keinerlei Anzeichen von übermäßigem Dattelkonsum gezeigt habe. Schon aus Mangel an Gelegenheit.

Zwischendurch gönnte Britta sich einen Cappuccino und begegnete erneut dem Elektriker vom Vortag. Ihr erinnert euch? Dem mit dem Minigolf!

Er erkundigte sich tatsächlich, ob sie inzwischen schon gespielt hätte.

Ich finde diesen Mann bemerkenswert. Gestern noch eine freundliche Empfehlung, heute bereits die erste Erfolgskontrolle. Ich rechne damit, dass er morgen nach ihrer Platzreife fragt.

Vielleicht sollte Britta ihm bei Gelegenheit erklären, dass ich ebenfalls hier bin. Möglicherweise bekomme ich über ihn endlich eine Freizeitmaßnahme bewilligt.

Zum Mittagessen gab es Geflügel-Cevapcici mit Djuvec-Reis, Kräuterjoghurt und Salat. Britta fand es wieder lecker. Natürlich.

Ich möchte das Thema Dattel heute nicht überstrapazieren.

Am Nachmittag hatte Britta noch einiges auf ihrem Programm. Danach war sie froh, ein bisschen Zeit für sich zu haben.

Und was macht eine Frau nach einem langen Rehatag?

Richtig. Sie geht einkaufen.

Als sie zurückkam, hatte sie ein paar Kleinigkeiten dabei, die sie offenbar dringend brauchte. Ich habe die Einkäufe vorsichtshalber nicht genauer untersucht. Nicht, dass ich am Ende noch zum Einräumen eingeteilt werde.

Wobei ... das wäre immerhin meine erste praktische Reha-Anwendung!

Abends ging Britta wieder zum Essen und kam anschließend gut gelaunt zurück. Sie hatte sich nett unterhalten, viel gelacht und wieder festgestellt, wie schön es sein kann, unterwegs neue Menschen kennenzulernen.

Das freut mich wirklich.

Britta lernt hier ständig Leute kennen, während ich seit drei Tagen auf meinen ersten Ausflug innerhalb von Bad Schwartau warte. Aber gut. Jeder hat seine Ziele.

Meine liegen derzeit ungefähr zwölf Meter entfernt. Hinter der Zimmertür.

Durch das gekippte Fenster bekomme ich immerhin einiges mit. Heute wurde draußen wieder viel über das Wetter gesprochen.

Dem einen ist es zu nass, dem anderen zu kalt. Und wenn die Sonne scheint, ist es vermutlich zu hell.

Ich als Schneemann finde ja, dass man sich über neun Grad und Regen nun wirklich nicht beschweren kann. Aber meine Meinung wird hier bekanntlich selten eingeholt.

Beim Essen scheint es ähnlich zu sein. Der eine findet es lecker, der nächste hätte lieber etwas anderes gehabt.

Ich möchte mich in diese Diskussion nicht einmischen.

Aber ich hatte gestern eine Dattel. Eine.

Manchmal hilft es, die Dinge ins Verhältnis zu setzen.

Später ging Britta tatsächlich noch einmal an den Kurteich.

Ohne mich.

Schon wieder.

Sie fotografierte den Springbrunnen, die Trauerweiden, Spiegelungen im Wasser und eine wunderschöne dunkelrote Blüte. Außerdem sah sie zahlreiche weiße und graue Schwäne, darunter auch Jungschwäne.

Und was machte ihr Handy daraus?

Schweine.

Wieder Schweine!

Inzwischen gibt es sogar fotografische Gegenbeweise. Ich beginne zu vermuten, dass Brittas Spracherkennung heimlich einen Bauernhof in Bad Schwartau eröffnen möchte.

Unterwegs ergab sich außerdem noch ein nettes Gespräch. Britta scheint hier wirklich überall etwas zu entdecken und mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Ich hingegen kenne inzwischen die Geräusche vor unserem Fenster ziemlich gut.

Und den Regenschirm.

Der steht übrigens immer noch in der Dusche.

Am Abend machte Britta es sich gemütlich. Später gab es noch etwas Joghurt und ein paar Datteln.

Ein paar Datteln!

Ich sage dazu nichts.

Wirklich nicht.

Morgen stehen bei ihr unter anderem Entspannung und Achtsamkeit auf dem Programm.

Ich werde ebenfalls achtsam sein.

Vor allem werde ich darauf achten, ob Britta irgendwann auf die Idee kommt, mich mitzunehmen.

Bis dahin bleibe ich in meinem Nackenhörnchen.

Der Regenschirm hat schließlich die Dusche belegt.

Kurti Knut von Schwartau

Rehabilitand ohne Therapieplan · Freizeitgestaltung weiterhin ungeklärt · Dattelkonsum unter Beobachtung ☃️