17.10.2026 – Sturmfrisuren, Fruchtwippen und ein Schneemann im Bettdienst

Moin, ihr Lieben! Hier meldet sich wieder Kurti Knut von Schwartau, euer treuer Reha-Begleiter mit der orangefarbenen Nase, der frechen Frisur und einem inzwischen beachtlichen Erfahrungsschatz in Sachen ungerechter Ausflugsverteilung.

Ich darf gleich zu Beginn etwas Erfreuliches berichten: Heute wurde ich NICHT im Kleiderschrank eingesperrt!

Nach dem gestrigen Vorfall hatte ich ja schon überlegt, vorsorglich einen Anwalt für Plüschtiere einzuschalten. Aber Britta zeigte sich einsichtig. Ich durfte heute auf dem Bett bleiben. Ganz offen, mit Tageslicht und allem Drum und Dran!

Ein gewaltiger Fortschritt in meiner Reha-Karriere.

Britta hatte heute frei von ihrem Therapieprogramm und ließ den Morgen gemütlich angehen. Kein frühes Herumgerenne, keine Muckibude und vor allem keine Waschmaschinenreservierung. Ich war erleichtert. Noch einen solchen Tag hätte mein kleines Schneemannherz kaum verkraftet.

Beim Frühstück lernte Britta wieder nette Menschen näher kennen. Es wurde geplaudert und gelacht. Das ist hier inzwischen fast schon ein eigenes Therapieangebot. Und dafür braucht man nicht einmal einen Termin.

Dann kündigte sich Besuch an. Eine Freundin aus Oldenburg war unterwegs nach Bad Schwartau!

Ich dachte natürlich sofort: Wunderbar! Endlich ein Ausflug zu dritt! Britta, ihre Freundin und ich. Ein Schneemann passt schließlich problemlos in jede Handtasche. Ich hätte mich sogar freiwillig zwischen Taschentücher und Lippenpflege gesetzt.

Aber nein.

Britta machte sich fertig, ging zum Parkplatz und traf ihre Freundin dort auf die Minute genau.

Und ich?

Ich blieb auf dem Bett.

Immerhin. Gestern Schrank, heute Bett. Vielleicht darf ich nächste Woche schon bis zur Zimmertür!

Die beiden gingen zunächst gemütlich Kaffee trinken und spazierten anschließend durch Bad Schwartau. Britta zeigte ihrer Freundin natürlich auch die Klinik, den Kurpark und ihren geliebten KURTeich.

Ich finde es ja bemerkenswert, wie schnell Britta hier zur offiziellen Fremdenführerin aufgestiegen ist. Vor knapp zwei Wochen kannte sie sich selbst noch nicht richtig aus, und inzwischen könnte sie vermutlich Eintrittskarten für geführte KURTeich-Rundgänge verkaufen.

„Meine Damen und Herren, zu Ihrer Linken sehen Sie die Entenabteilung. Geradeaus residiert die Schwanenfamilie. Und irgendwo da hinten müsste Ole sein, sofern er nicht wieder seinen Aqua-Fitness-Termin vergessen hat!“

Natürlich wurden auch die Gänse und Blässhühner vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass Britta inzwischen mehr gefiederte Bekannte hat als mancher Mensch Kontakte in seinem Telefon.

Danach ging es mit dem Auto nach Travemünde.

TRAVEMÜNDE!

An die Ostsee!

Und wieder ohne mich!

Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass ich ein SCHNEEMANN bin. Frische Luft, Wind und kühle Temperaturen sind praktisch meine natürliche Wellnessumgebung. Andere müssen für so etwas extra an die Küste fahren. Ich hätte mich einfach auf die Mole gesetzt und meine Haare durchpusten lassen.

Aber gut. Ich hatte ja mein Bett.

Die beiden spazierten an der Promenade entlang und kamen auch an dem riesigen Maritim-Hotel vorbei. Britta findet das Gebäude nicht gerade besonders hübsch. Ich kann das verstehen. Ein Haus, das so hoch ist, dass ein Schneemann beim Hinaufschauen seine Mütze verlieren würde, wäre mir auch etwas unheimlich.

Viel schöner fand sie die Passat, diesen beeindruckenden alten Viermastsegler, der in Travemünde liegt.

Und weil Britta natürlich wissen wollte, was sie da eigentlich fotografiert hatte, wurde Easy befragt.

Kleine Anmerkung der Schneemann-Redaktion: Die Informationen hat Easy für Britta herausgesucht. Ich selbst war ja mal wieder nicht dabei!

Die Passat wurde bereits 1911 gebaut und war früher als großer Frachtsegler auf den Weltmeeren unterwegs. Sogar rund um Kap Hoorn ist sie gefahren.

Kap Hoorn!

Ich finde das beeindruckend. Ich schaffe es nicht einmal bis zum KURTeich, und dieses Schiff war schon am anderen Ende der Welt.

Anschließend liefen die beiden auf die Mole hinaus bis zum grün-weißen Leuchtfeuer.

Und dort ging es richtig zur Sache.

WIND!

Nicht so ein kleines Lüftchen, das einem freundlich über die Nase streicht. Nein! Richtiger Ostseewind, der offenbar beschlossen hatte, heute sämtliche Frisuren neu zu gestalten.

Die Haare flogen kreuz und quer. Mal kam die Sonne heraus, dann zogen wieder dunkle Wolken vorbei. Das Wasser glitzerte, die Möwen kreischten und die beiden machten jede Menge Fotos.

Besonders die Selfies müssen herrlich gewesen sein.

Ich stelle mir das ungefähr so vor:

„Warte, meine Haare liegen gerade gut!“

WUSCH!

„Jetzt!“

WUSCH!

„Ach, ist doch egal, wir nehmen das Foto!“

Ich hätte bei diesem Wind übrigens einen entscheidenden Vorteil gehabt. Meine Frisur sieht sowieso immer aus, als hätte ich gerade einen Sturm überlebt. Diese paar weißen Zipfel auf meinem Kopf machen grundsätzlich, was sie wollen.

Endlich einmal ein Ort, an dem ich modisch ganz vorne gewesen wäre!

Auch die Möwen waren offenbar in bester Fotolaune. Einige saßen völlig unbeeindruckt auf den Geländern, andere hatten sich eine steinerne Figur als Aussichtspunkt ausgesucht.

Eine Möwe ließ sich sogar aus nächster Nähe fotografieren. Ganz selbstbewusst, als wollte sie sagen: „Na los, mach schon. Aber bitte meine gute Seite!“

Und dann entdeckten die beiden ein Schild mit der Aufschrift 21 km.

Da stellte sich Brittas Freundin kurzerhand daneben und ließ sich fotografieren, als hätte sie gerade einen Halbmarathon absolviert.

Ich finde das großartig!

Warum 21 Kilometer laufen, wenn man sich auch einfach neben das Schild stellen kann?

Das nenne ich energiesparende Sportfotografie. Da könnte ich mitmachen. Ich würde mich neben ein Schild mit „100 Kilometer“ setzen und anschließend behaupten, ich hätte einen Schneemann-Ultramarathon gewonnen.

Beweisen soll mir erst einmal jemand das Gegenteil!

Nach so viel frischer Luft wurde es Zeit fürs Mittagessen. Im Restaurant Tiefblau gab es für Britta ein leckeres Schnitzel mit Pommes und Salat. Ihre Freundin hatte ebenfalls etwas Gutes auf dem Teller.

Und ich?

Ich lag auf dem Bett.

Ich möchte nicht kleinlich sein, aber langsam fällt mir auf, dass die interessantesten Mahlzeiten grundsätzlich dann stattfinden, wenn ich nicht dabei bin.

Anschließend bummelten die beiden noch gemütlich durch Travemünde. Hübsche Häuser, schöne Geschäfte, alte Fassaden, Schiffe und natürlich immer wieder das Wasser.

Und zwischendurch kam sogar die Sonne so schön heraus, dass sie herrliche Fotos vom glitzernden Wasser machen konnten.

Ich habe die Bilder später gesehen. Wirklich wunderschön!

Allerdings möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ein kleiner weißer Schneemann auf diesen Fotos einen hervorragenden Kontrast abgegeben hätte.

Nur mal so als Anregung für zukünftige Ausflugsplanungen.

Irgendwann ging es zurück nach Bad Schwartau. Aber wer jetzt denkt, die beiden hätten sich einfach brav hingesetzt und ausgeruht, kennt Britta und ihre Freundin schlecht.

Auf dem Marktplatz entdeckten sie nämlich kleine Wippen in Form von Schwartauer Früchten.

Eine Erdbeere, eine Himbeere und eine Brombeere!

Eigentlich sind diese Wippen wohl eher für Kinder gedacht. Aber die beiden sahen das offenbar ganz entspannt.

Kurzerhand wurde eine der Früchte ausprobiert und natürlich fotografiert.

Ich sage euch, das hätte ich zu gerne gesehen!

Da fahren zwei erwachsene Frauen nach Travemünde, bewundern historische Segelschiffe, trotzen dem Ostseewind und landen anschließend auf einer Fruchtwippe mitten in Bad Schwartau.

Herrlich!

Ich hätte selbstverständlich die Erdbeere genommen. Rot steht mir bestimmt ausgezeichnet. Und falls jemand gefragt hätte, was ich dort mache, hätte ich gesagt: „Obstgestützte Gleichgewichtsschulung. Steht auf meinem Therapieplan!“

Wobei ... nein. Ich habe ja immer noch keinen.

Aber der eigentliche Höhepunkt war offenbar der gemeinsame Humor. Die beiden können aus den harmlosesten Bemerkungen innerhalb weniger Sekunden eine völlig verrückte Geschichte machen.

Und so wurden heute gleich zwei neue Persönlichkeiten geboren:

Astrid die Assel und Schorsch die Schabe!

Fragt mich bitte nicht, wie man auf solche Namen kommt.

Jedenfalls entstand die Vorstellung einer kleinen Entspannungsgruppe mit winzigen Yogamatten. Astrid liegt tiefenentspannt auf ihrer Matte, Schorsch versucht vermutlich gerade, seine sechs Beine ordentlich zu sortieren, und irgendwo ertönt eine beruhigende Stimme:

„Und jetzt bitte alle ganz langsam einatmen ...“

Ich musste wirklich lachen, als Britta mir davon erzählte.

Da bin ich seit Tagen auf der Suche nach einem vernünftigen Therapieplan, und jetzt bekommen sogar Asseln und Schaben ihre eigene Entspannungsgruppe!

Vielleicht sollte ich mich dort anmelden. Immerhin bin ich klein genug, um dazuzupassen. Allerdings bestehe ich auf einer sauberen Matte und ausreichend Abstand zu Schorschs Füßen.

Später gingen die beiden noch einmal gemütlich Kaffee trinken. Dazu gab es Kuchen. Britta hatte ein hübsches, weiß glasiertes Herz mit rosa Verzierung.

Ein Herz!

Aus Kuchen!

Und wieder wurde ich nicht gefragt, ob ich vielleicht eine kleine Ecke davon probieren möchte.

Ich sage euch, meine kulinarische Reha-Bilanz wird langsam erschütternd.

Danach ging es noch einmal zum KURTeich. Natürlich! Ohne einen Besuch bei den gefiederten Freunden wäre ein Tag in Bad Schwartau inzwischen vermutlich gar nicht vollständig.

Diesmal gab es neben Schwänen, Gänsen und Enten auch jede Menge Pilze zu entdecken.

Große, kleine, helle, dunkle, mit glatten oder gemusterten Hüten. Überall standen diese kleinen Waldgestalten herum, als hätten sie sich zu einer geheimen Pilzversammlung getroffen.

Ich musste sofort an das Schlumpfhausen denken, das Britta vor ein paar Tagen entdeckt hatte.

Vielleicht gibt es hier ja tatsächlich ein ganzes unterirdisches Pilzkönigreich. Mit eigenen Straßen, winzigen Häusern und einem Bürgermeister namens Champignon von Schwartau.

Wobei ich hoffe, dass die Pilze dort einfach in Ruhe wachsen dürfen. Fotografieren reicht schließlich völlig aus.

Auch die Schwäne und Gänse ließen sich wieder schön beobachten. Ein Schwan kam ganz nah ans Ufer, als wollte er persönlich kontrollieren, wer heute zu Besuch war.

Außerdem stand das Wasser im KURTeich inzwischen auffällig hoch. An einigen Stellen reichte es bereits über den gewohnten Uferbereich hinaus.

Ich habe sofort überlegt, ob Ole und seine Reha-Sportgruppe D6 Aquafitness jetzt vielleicht zusätzliche Trainingsflächen bekommen haben.

Bei diesem Wasserstand könnte man ja bald direkt vom Spazierweg aus zum Schwimmunterricht antreten!

Am späten Nachmittag ging der gemeinsame Ausflug schließlich zu Ende. Brittas Freundin machte sich wieder auf den Heimweg nach Oldenburg, und Britta kehrte später auf ihr Zimmer zurück.

Und dort wartete ich.

Auf meinem Bett.

Ganz brav.

Mit meiner unverwechselbaren Frisur und einem freundlichen Lächeln.

Ich hatte inzwischen einen ausgesprochen ereignisreichen Tag hinter mir.

Zuerst hatte ich die Zimmerdecke ausführlich betrachtet. Danach überprüfte ich die Stabilität meines Nackenhörnchens. Anschließend führte ich eine wissenschaftliche Untersuchung darüber durch, wie lange ein Schneemann regungslos sitzen kann, ohne dass irgendjemand nach ihm schaut.

Ergebnis: erstaunlich lange!

Zwischendurch hielt ich ein kleines Nickerchen. Danach kontrollierte ich, ob die Wäsche vom gestrigen Großwaschtag inzwischen verschwunden war. Und schließlich überlegte ich, ob ich mich vielleicht selbstständig für einen Ausflug anmelden sollte.

Leider reichen meine kurzen Arme nicht bis zur Zimmertür.

Als Britta zurückkam, erzählte sie mir von Travemünde, der Passat, den Möwen, den Fruchtwippen, Astrid und Schorsch und all den schönen Erlebnissen.

Ich hörte natürlich aufmerksam zu. Schließlich bin ich ein höflicher Schneemann.

Aber eines muss ich schon sagen:

Gestern war ich im Kleiderschrank. Heute durfte ich aufs Bett. Und morgen?

Vielleicht darf ich dann schon einmal mit bis zum Fahrstuhl!

Ich möchte ja keine übertriebenen Forderungen stellen. Aber ein bisschen mehr Abwechslung wäre durchaus angemessen.

Mein Fazit dieses Samstags: Britta hatte einen wunderschönen Tag mit viel Wind, Wasser, Sonne, leckerem Essen und jeder Menge Schabernack.

Und ich habe festgestellt, dass ein Schneemann auch ohne Therapieplan erstaunlich viel Zeit mit Nachdenken verbringen kann.

Vor allem mit der Frage, warum ausgerechnet Astrid die Assel und Schorsch die Schabe eine Entspannungsgruppe bekommen, während ich immer noch auf meine erste Anwendung warte.

Ich werde das bei Gelegenheit zur Sprache bringen.

Euer Kurti Knut von Schwartau ☃️❤️

P. S.: Falls demnächst wieder ein Ausflug nach Travemünde geplant ist, möchte ich bitte rechtzeitig informiert werden. Ich benötige weder einen Sitzplatz noch eine Fahrkarte für die Fähre. Nur einen kleinen Platz in der Tasche. Und bei Wind halte ich meine Frisur einfach selbst fest. Versprochen! 😂